Ein kleines

bisschen Liebe


 Nachdenken, Verändern, Leben
 Für Dich und Deinen Hund!

 

Über unsere Bedürfnisse und die unserer Hunde

Ein kleines bisschen Liebe

Wir müssen Essen und Trinken, dass benötigen wir zum Leben, wenn es kalt wird brauchen wir eine Wärmequelle, weil wir sonst erfrieren.
Zum Schlafen wiederum benötigen wir ein Lager.
Diese Bedürfnisse fallen uns wohl am ehernsten ein, wenn man uns fragt.

Bedürfnisse im psychologischen Sinne sind das Verlangen, einem empfundenen oder tatsächlichen Mangel Abhilfe zu schaffen.

Um diesen Begriff an sich ranken sich Einteilungen, Theorien und Ansichten, die sehr auf eine jeweilige Betrachtungssicht (menschlicher, wirtschaftlicher, überlebensstrategischer ..) ausgerichtet sind. Eine der bekanntesten Betrachtungsweisen unserer Zeit ist das nach einer Bedürfnishierarchie entwickelte Modell des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow.

In der so genannten Maslowschen Bedürfnispyramide gehören die uns zuerst eingefallenen Bedürfnisse zu den körperlichen Grundbedürfnissen, deren Befriedigung unser einstweiliges Überleben sichert und in einer hierarchischen Bedürfnisanordnung die Grundlage unserer Selbstverwirklichung darstellen soll. (Siehe Wikipedia: Maslowsche Bedürfnishierarchie)
Kritiker bemängeln, dass eine solche hierarchische Abstufung der Bedürfnisse, erst Essen, Trinken und Sicherheit und dann erst das Bedürfnis nach sozialen Beziehungen auf unser heutiges westliches individualistisches Weltbild zutrifft.
Es gäbe Kulturen, in denen die Bedürfnisse der Gruppe mit ihren sozialen Beziehungen als Grundlage der Selbstverwirklichung angesehen werden.
In letztere Richtung gehen andere Modelle, wie die der Gewaltfreien Kommunikation (Handlungskonzept von Marshall B. Rosenberg: https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation) und die Selbstbestimmungstheorie (von Richard M. Ryan und Edward L. Deci an der Universität von Rochester, USA, entwickelt: https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstbestimmungstheorie)
Soziale Beziehungen in Gruppen befriedigen nicht nur die körperlichen sondern auch die seelischen Grundbedürfnisse. Evolutionär gesehen haben derartige Gruppen, in denen das Wohl der Gruppe im Vordergrund steht und diese Gruppe dann für die einzelnen sorgt, die größten Überlebenschancen. Gemeinsam ist man stark.
Meine Betrachtung geht in Richtung Naturvölker sowie Tierfamilien und schließt sich somit den Maslow-Kritikern an.
Würden wir uns in unserer Gesellschaft nach dem Beispiel dieser Völker richten, würden wir bei weitem glücklicher und zufriedener sein, so meine Ansicht.
Das mag wie eine vage These klingen.
Wie sonst sind die Kaspar-Hauser-Versuche zu erklären, in denen Kleinkinder isoliert aufgezogen wurden und starben (Harry F. Harlow „The Nature of Love”, Hubert Houben: Kaiser Friedrich II, http://www.neon.de/artikel/sehen/gesellschaft/kaspar-hauser-2525/667169), trotzdem ihre körperlichen Grundbedürfnisse befriedigt wurden, sie jedoch keinerlei sozialen Kontakt und Liebe erfuhren und während aus anderen Überlieferungen bekannt ist, dass ausgesetzte/fortgelaufene Kinder, die zumindest sozialen Kontakt zu Tieren unterhielten, überlebten?(https://www.dasgehirn.info/handeln/liebe-und-triebe/liebe-ein-grundnahrungsmittel)
Während der Mensch unserer westlichen Gesellschaft die zunehmenden mangelnden Sozialbeziehungen (Familien werden kleiner, Kommunikation findet, wenn überhaupt, häufig nur noch medial statt) durch Konsum auszugleichen versucht, wird für mich am Maslowschen Bedürfnis-Pyramidenmodell klar, dass der Fuß der körperlichen Grund- und Existenzbedürfnisse in unserer Gesellschaft durch künstlich erzeugte Bedürfnisse schwerer und größer ist denn je. Er hat sich am Boden sprichwörtlich festgesaugt und nimmt den Menschen die Kraft und Motivation, an ihrer Selbstverwirklichung zu arbeiten. Besitz sei Selbstverwirklichung gaukelt die Werbeindustrie uns vor. Ein künstlich erzeugter Mangel an Dingen, die wir eigentlich nicht benötigen, suggeriert uns bei Besitz Zufriedenheit.

Was ist eigentlich Selbstverwirklichung?

Was sind unsere Ziele, Sehnsüchte und Wünsche, was ist unser eigenes Wesen, welches wir durch die Selbstverwirklichung zur Entfaltung bringen möchten? Oder trachten wir danach so zu sein, wie andere uns gerne hätten?
Sind wir uns unseres Wesens überhaupt bewusst oder wollen wir nur haben und sein, was alle haben und sind? Ist es tatsächlich nur Hab und Gut, oder kann ich selbiges nur durch Hab und Gut erreichen/erkaufen?
Oder ist Selbstverwirklichung vielleicht ein Puzzle, welches einen sozialen Gruppenverband, etwa eine Familie darstellt, in dem jeder seine (überlebens)wichtige Aufgabe hat, er sich gebraucht, anerkannt und geliebt fühlt? Und sind es erfüllte seelischen Grundbedürfnisse, wie beispielsweise Liebe, Vertrauen Respekt, Wertschätzung und Achtung, die dieses Puzzle zusammenhalten, eine Selbstverwirklichung erst möglich machen?
Naturvölker sowie die Tiere der Natur geben uns eine Reihe von Beispielen, wie durch die allseits befriedigten Bedürfnisse in ihrer sozialen Struktur ein zufriedenes Leben verlaufen kann.
Schauen wir Dokumentationen über Naturvölker sind wie erstaunt, wie einfach das Leben doch sein kann und wie offensichtlich wenig an materiellen Besitz dazugehört.
Begeistert und fasziniert zugleich verfolgen wir das Leben freier Wölfe und ihrer Familien festgehalten in Beobachtungen, in Büchern oder Filmen – tief in uns fühlen wir uns diesen Tieren verbunden. Wir sehnen uns nach einer solchen Harmonie
Mensch und Wolf kamen sich vor über 15 tausend Jahren so nahe, weil sie ähnliche soziale Strukturen in ihren Familien hatten, was auf ähnliche insbesondere seelische Bedürfnisse und deren Befriedigung in ihrem Familienverband schließen lässt. Mit der Domestikation hat ein Teil der Wölfe sich uns Menschen und unserer Familie angeschlossen und ist zum Hund geworden.(Christoph Jung, Daniela Pörtl : "Ziemlich beste Freunde, Die aktive soziale Domestikation des Hundes: Ein neurobiologisch begründetes Modell zur Mensch-Hund-Beziehung.)
Dieses Urvertrauen in die menschliche Familie und somit das Urvertrauen, dass eben in dieser Familie die Bedürfnisse befriedigt werden, ist den Hunden in die Wiege gelegt, sie sind wie Kinder in unserer Familie. Wir nehmen einen Hund also in unsere Familie auf, wir adoptieren ihn und werden so zu Eltern.
Wenn wir davon ausgehen, dass es damals ähnliche Bedürfnisse gab, so ist es wahrscheinlich, dass diese Ähnlichkeiten auch heute noch existieren.
Reflektiere ich das Zusammenleben mit meinen Hunden bin ich immer wieder erstaunt über das, was uns gemeinsam zufrieden stellt. Wir benötigen Nahrung, Wärme, Schlaf, das sind unsere körperlichen Grundbedürfnisse. Ein Spaziergang beispielsweise erfüllt bei Mensch und Hund das Bedürfnis nach Naturnähe, nach Bewegung, nach frischer Luft, nach Gerüchen, Wahrnehmungen, aber auch den Wunsch, mit dem anderen gemeinsam etwas zu unternehmen, bei ihm zu sein, mit ihm zu kommunizieren, sich an der Freude des anderen zu freuen – die seelischen Grundbedürfnisse.
Auch wenn ich mich vielleicht mehr am Gesamtbild der Natur, am Rascheln der Blätter oder am Rauschen des Baches erfreue und meine Hunde mehr an den Gerüchen interessiert sind, weil es eben der Hundeart entspricht, steht das gemeinsame Erleben als Befriedigung gleicher Wünsche im Vordergrund. Wir fühlen uns zusammengehörig und daraus erwächst wiederum das Bedürfnis, einander Gutes zu tun, füreinander da zu sein
ein selbst belohnendes Bedürfnis.

Seelische Grundbedürfnisse halten das Puzzle zusammen.

Der Sozialpädagoge Armin Krenz fasste 16 seelische Grundbedürfnisse zusammen, die für eine gesunde Entwicklung eines Kindes wichtig sind. (Quelle: kindorientiert.com/files/Handout_Fachtagung2012_Wolfsburg_Weimar.pdf) Er bezeichnet diese befriedigten (gesättigte) Grundbedürfnisse auch als Seelenproviant, der für den Aufbau eines stabilen Selbstwertgefühls sorgt, der Grundlage für eine nachhaltige Persönlichkeitsbildung.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Bedürfnisse von Hund und Mensch ähnlich bis gleich sind, dann gelten diese Grundbedürfnisse auch für den Hund in unserer Familie. Werden sie erfüllt, fühlt ein Hund sich angenommen, respektiert und geliebt. Er kann seine Verhaltensweisen durch (soziales) Lernen anpassen und in schwierigen Situationen weitgehend gewaltfrei steuern und kontrollieren. Sein Auftreten und Handeln ist geprägt von einem gesunden Selbstbewusstsein und einem tiefen Vertrauen in seine Menschen. Er integriert sich freiwillig in die Familie, übernimmt gerne Aufgaben. Die Anerkennung und Liebe seiner Familie ist ihm das höchste Lob!

Die Seelische Grundbedürfnisse nach Armin Krenz sind:

1. Zeit erleben

Hunde leben im Hier und Jetzt, was bedeutet, genau das Jetzt ist ihnen wichtig, ohne Gedanken an Gestern und Morgen.
„Du bist mir wichtig, jeden Augenblick des Tages!“

Rasante Tagesabläufe, hadern mit dem Gestern und Zukunftsängste bringen uns Menschen dazu, der Zeit hinterher zu laufen statt sie wahr zu nehmen und bewusst zu leben und unserem Gegenüber die Zeit unserer Aufmerksamkeit zu geben, die er benötigt. Hunde haben Schwierigkeiten, mit diesem rasanten Leben Schritt zu halten und benötigen darum einmal mehr unsere Aufmerksamkeit und unsere Zeit. Die dabei entstehenden Synergieeffekte der Entschleunigung tun nicht nur unserem Hund gut sondern auch uns selbst!

2. Ruhe erleben

Um Lösungen bei Problemen suchen und finden zu können und um selbst gewählte bzw. notwendige Ziele ohne Ablenkungen zu verfolgen benötigen Hunde Ruhe.

Dabei sollten wir Menschen dem Hund den Freiraum schaffen, Erfahrungen zu sammeln und auch einmal aus Fehlern zu lernen. Ständige Verbote, für den Hund zumeist uneinsehbar, frustrieren ihn und führen entweder dazu, dass er bei der nächsten Gelegenheit „stiften“ geht, um sich eben auszuprobieren oder erziehen ihn zum unselbständigen Befehlsempfänger.
Gemeinsam Nichtstun, die Stille zu genießen schafft Raum für neue Ideen und regt die Kreativität an!

3. Liebe erfahren

... ohne Vorurteile, Erwartungen und Verlangen von Gegenliebe, dazu gehört verzeihen können, es bedeutet Hoffen und immer neue Chancen geben und den Hund annehmen wie er ist, ihn Hund sein zu lassen ohne ihn verändern zu wollen.

Tzetan Todorov, ein Anthropologe, bezeichnet das Grundbedürfnis nach Liebe und Wertschätzung beim Menschen sogar als „Sauerstoff der Seele“ (GEO 03,2004).
Während fast alle Hunde ihren Menschen eine unvoreingenommene Liebe entgegen bringen knüpft der Mensch seine Zuneigung zumeist an seine Bedingungen – wie etwa ich habe Dich lieb, wenn Du Dich meinen Regeln entsprechend benimmst.
Woher soll der Hund diese Regeln kennen, er kann sie unter liebevoller Anleitung jedoch lernen!
"Wenn der HUND" … "Aber ER hat"… sind unsere Lieblings(aus)reden bei der Erklärung hundlichen Problemverhaltens! Statt mit Verständnis und Liebe in Vorleistung zu gehen, beurteilen wir, suchen nach Erklärungen beim Hund statt bei uns selbst!

4. Vertrauen erleben

Der Hund ist ein selbstständiges Lebewesen und benötigt unser Vertrauen in seine Selbstständigkeit und in seine Entscheidungen, ohne ihn zu bevormunden. So stärken wir sein Selbstvertrauen.

Wenn man ihn lässt, dann sucht ein Hund sich in seiner Familie einen Job. Das kann die Bewachung des Grundstückes sein, das Hüten der Kinder oder /und der Nutztiere, oder er ist Begleiter und Spielkamerad und passt dabei auf. Bestärken wir ihn in seinem Job, zeigen wir ihm unsere Freude darüber, dass er sich einbringt, wird er diesen Job gerne erledigen. Wer sich einbringt, der ist wichtig!

5. Sicherheit und Verbindlichkeit erfahren

Um sich entfalten zu können benötigen Hunde eine gesicherte und sorgsame Umgebung, in der ihre Anwesenheit ausdrücklich JETZT und IMMER erwünscht ist. Das Adoptionsversprechen dem Hund gegenüber sollte in guten wie in schlechten Zeiten für uns Menschen immer bindend sein.

Trennungsängste, hervorgerufen durch wechselnde Familien, Abschiebung ins Tierheim, Aussetzen usw. aber auch Vertrauensbrüche, wie eine mangelnde Sicherung (Leine) in gefährlichen bzw. unübersichtlichen Situationen und auch der fehlende Schutz vor fremden und/oder aufdringlichen Hunden und Menschen rühren aus dem Verstoß gegen dieses seelische Grundbedürfnis. Es Bedarf viel Geduld und Zeit sowie Verständnis um wieder Vertrauen aufbauen zu können!.
Sicherheit (eigentlich Kontrolle seitens des Menschen) einzig über Kommandos erreichen zu wollen reduziert die Kommunikation auf ein konditioniertes Wort und ignoriert existierende gefühlsmäßigen (Ver)Bindungen! Das Gefühl von Sicherheit wird für den Hund damit nicht erreicht!

6. Bewegung erleben

Rennen, laufen, springen, gehen, Hunde bewegen sich auf ihre Art durchs Leben und entdecken so neugierig ihre Umgebung. Dazu brauchen sie Menschen, die selbst ein hohes Maß an Bewegungsfreude besitzen und die das Vermögen ihres Hundes richtig einschätzen können!

Mangelnde Bewegung schadet nicht nur unseren Hunden sondern auch uns selbst. Zum einen lässt Bewegung das Blut zirkulieren bis hoch ins Hirn und hält uns und unsere Hunde fit wenn wir dabei noch alle Sinne gebrauchen, nehmen wir unsere Umgebung wahr, entdecken und lernen. Verwehren wir uns und unseren Hunden die Bewegung, weil uns Fernseher, Computer und andere Medien nicht aus dem Sessel aufstehen lassen, verkümmern wir!
Sportliche Betätigung wird zumeist mit Bewegung gleichgesetzt – unverstanden auf menschliches Niveau gebracht und den Ehrgeiz des Menschen im Vordergrund gestellt, überfordert sie den Hund mental und körperlich und erzeugt Stress und Krankheiten.

7. Intimität besitzen

Hunde haben Rechte, ohne Wenn und Aber, diese Einzufordern und Einzuhalten ist unsere Pflicht, ebenso wie sie mit Wertschätzung zu behandeln! Jeder Hund ist einzigartig, wie der Mensch auch und diese Einzigartigkeit müssen wir respektieren.

Hunde, denen körperliche und seelische Schmerzen (Schlagen, Würgen …aber auch Ignorieren) zugefügt werden, resignieren und funktionieren nur noch. Ihre Würde wird verletzt.
Während die Erziehung über körperliche Strafe mehr und mehr „verpönt“ ist haben Erziehungsmethoden über die so genannte positive Verstärkung Hochkonjunktur! Eine permanente Belohnung erwünschten Verhaltens bringt den Hund in eine ständige Erwartungshaltung und er zeigt vermehrt dieses erwünschte Verhalten. Was sich in Beschreibungen schön liest bedeutet für den Hund letztendlich die Aufgabe seiner eigenen Identität, er tut nur noch das, wofür er belohnt wird. Selbst das Wortspiel der sozialen Belohnung wird dort eingeflochten – eine Zuwendung, ein Spiel als Belohnung. Zuwendung nach Bedingungen hat nichts mit einer bedingungslosen Liebe gemein, denn unser Hund sollte sich unserer Zuwendung unserer Liebe immer sicher sein!

8. Mitsprache haben

Hunde besitzen die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Dafür benötigen sie das Verständnis und das Vertrauen ihrer Menschen in diese Entscheidungen sowie ein eigenes Handeln danach. Gehört ein Hund zur Familie müssen seine Belange gehört und in den Alltag integriert werden. Er ist Teil einer sozialen Gemeinschaft und benötigt die Anerkennung darin.

Ein gemeinsamer Spaziergang, bei dem der Hund entscheidet, welcher Weg genommen wird, erhöht sein Selbstvertrauen enorm. So vermitteln wir ihm, dass er einen Einfluss auf unsere Entscheidungen hat – er ist uns wichtig.
.... und er darf uns auch selbstverständlich zum Spiel auffordern! Wir sollten diese Einladung als Geschenk betrachten - unser Hund lässt uns an seiner Welt teilhaben, er öffnet uns die Tür zu einer Menge Erfahrungen und wunderbaren Erlebnissen!
Mitsprache bedeutet auch, dass sich die Tages – und Urlaubsplanung nach den Bedürfnissen aller Familienmitglieder, so auch des Hundes richten muss. Ein Wanderurlaub mit einem arthrosekranken Hundesenioren ist da genauso unpassend, wie ein Strandurlaub mit einem Berner.

9. Erfahrungsräume in sich selbst

... um die unmittelbare Menschen- sowie Hundewelt um sich herum erkunden zu können. Menschen, die ihr Leben selbstständig in die Hand nehmen und bereit sind, vom und mit dem Hund zu lernen und durch Selbstreflektion an sich zu arbeiten eröffnen sich und ihrem Hund ebenfalls die Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln und sich selbst kennen zu lernen.

Unsere Verantwortung liegt in einer fürsorglichen Weit – und Umsicht und dem Setzen von fließenden Grenzen, in denen der Hund seine Erfahrungen sammeln kann. Diese Grenzen müssen für den Hund einsehbar sein. Das bedeutet, wir dürfen Grenzen nicht willkürlich aufzeigen, weil wir es "trainieren" wollen. Dies dient dem Menschen lediglich der Demonstration seiner Macht über ein seiner Meinung nach niederes Lebewesen - mehr nicht!
Starre Grenzen und ständige Verbote schränken die Erfahrungsräume für den Hund ein.

10. Gefühle erleben

... um sie kognitiven und motorischen Prozessen zuzuordnen und sie miteinander zu vernetzen. Dazu brauchen Hunde Menschen, die einen engen Kontakt zu ihren eigenen Gefühlen haben (Angst, Trauer, Freude, Wut), die unterschiedlichen Gefühle in ihrer jeweiligen Berechtigung akzeptieren sowie auf eine Ausgewogenheit der erlebten Gefühlswelten achten. Sie benötigen Menschen, die authentisch sind.

Wir Menschen müssen verstehen, dass Hunden als Naturtiere die Kommunikation über Gefühle inne wohnt und sie in der Lage sind, sich in ihre Menschen einzufühlen und deren Stimmungen und Gefühlslagen zu erkennen. - Verwehren wir den Hunden dieses Bedürfnis, können sie beispielweise mit unangemessenen Frustreaktionen wie Mobben/Beißen anderer Hunde als Folge daraus auf sich aufmerksam machen! Trainings, die die Gefühle des Hundes in die „richtige“ Bahn lenken sollen, auch Frustrations- und/oder Impulskontrolltraining genannt, sind darauf ausgerichtet, den Hund zu kontrollieren. Eine gesunde Regulierung der Gefühlswelt findet nicht statt. Stattdessen wird dem Hund demonstriert, dass er dem Menschen gegenüber machtlos und ausgeliefert ist!

11. Sexualität annehmen

Hunde benötigen verantwortungsvolle Menschen, die über die Pubertät bis hin zur Läufigkeit und Zeugungsreife als normalen Lebenszyklus von Hündinnen und Rüden sowie deren Folgen informiert sind und diese als natürlich annehmen.

Wir Menschen müssen Verständnis für die damit einhergehenden hündischen Veränderungen aufbringen und sie als normal und dazugehörend betrachten. Das beinhaltet auch ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema Kastration. Unkontrollierte Vermehrung, psychischer Stress beim Hund sowie krankhafte organische Veränderungen sind medizinisch relevante Kastrationsgründe. Sich mit diesem „unbequemen“ Thema von vornherein NICHT auseinandersetzen zu wollen, dem Hund somit seine Sexualität, sein Geschlecht zu nehmen, beraubt ihn auch ein Stück weit seiner Identität. Dies ist genauso wenig ein Kastrationsgrund wie die Annahme, damit eine Verhaltensveränderung zum „besseren“ herbeiführen zu wollen.

12. Gewaltfreiheit erleben

Hunde tragen mögliche Konflikte selten und dann sehr ungern durch Gewalt aus. Stattdessen senden sie über ihren Körper Signale, so genannte Calming Signals (Turid Rugaas) – Beschwichtigungssignale oder auch über Laute wie Bellen und Knurren, an ihren gegenüber um zu vermitteln: Lass uns einen (möglichen) Konflikt vermeiden und friedlich miteinander kommunizieren! Um sich frei entfalten zu können benötigen Hunde Menschen, denen ihr innerer Frieden genauso wichtig ist wie ein friedliches Miteinander mit ihrer Umwelt.

Die gewaltfreie Kommunikation verstehen und fühlen zu lernen sowie selbst gewaltfrei (an Körper und Geist!) zu kommunizieren sollte uns Menschen ein Bedürfnis sein. Ein respektvoller wertschätzender Umgang miteinander fördert die soziale Bindung innerhalb der Familie, schafft Vertrauen auf allen Seiten.
Wir Menschen sollten uns darüber im Klaren sein, dass „jedwede Gewalt eine Kommunikationsstruktur provoziert, die nur von „Machtansprüchen und Ohnmachtserlebnissen“ geprägt sein würde und damit eine destruktive geprägte Interaktion die Folge wäre.“ (Wörtliche Aussage von Armin Krenz zu den seelischen Grundbedürfnissen bei Kindern: Handout_Fachtagung2012_Wolfsburg_Weimar.pdf)

13. Neugierde als Motor nutzen

Lebenslanges Lernen ist heute für uns Menschen der Motor um mit den rasanten Veränderungen in unserer Umwelt Schritt zu halten. Auch Hunde lernen ihr Leben lang – sie können sich bis ins Alter hinein neuen Gegebenheiten anpassen, auch in der menschlichen Familie.

Für uns Menschen gehört der berühmte Blick über den Tellerrand hinaus zwingend dazu. Das wiederum setzt voraus, dass wir an unserer Umwelt interessiert sind, Zusammenhänge erkennen, selbst nachdenken und schlussfolgern und eventuell sogar bereit sind auf Grund eigener Erkenntnisse unser Leben zu ändern. Dies vorzuleben motiviert den Hund, offen für neue Erfahrungen zu sein, seine Umwelt zu entdecken. So machen wir es dem Hund einfacher, sich letztendlich in der menschlichen Welt mit ihren rasanten Veränderungen zu Recht zu finden.

14. Optimismus spüren

Hunde sind emphatisch - sie fühlen, was ihre Menschen fühlen! Oft fühlen sie auch, WIE ihre Menschen fühlen. Dafür sind so genannte Spiegelneuronen verantwortlich. Hunde können sich der menschlichen Gefühlswelt also nicht entziehen – im positiven wie auch negativem Sinne.

Sind wir glücklich, ist es unser Hund auch. Zum glücklich sein gehört eine riesen Portion Optimismus! Eine grundsätzliche Lebensfreude in uns ist dazu notwendig sowie ein positives lösungsorientiertes Denken.
Ein von Pessimismus geprägtes Umfeld hingegen hemmt die hundliche Entwicklung. Der Hunde kann anfällig für die modernen Zivilisationskrankheiten bis hin zu Depressionen werden.

15. Respekt, Wertschätzung und Achtung erfahren

Dazu brauchen Hunde Menschen, die den lebensbedeutsamen Tugenden wie ethische und soziale Werte eine hohe Priorität im Umgang mit sich und anderen beimessen.

So, wie wir uns in unserer Umwelt verhalten, vermitteln wir es an unsere Hunde. Auch wenn der achtsame Umgang mit der Natur in ihren Genen steckt, sie wertschätzend und respektvoll miteinander kommunizieren, beeinflusst unser Lebensstil auch den unserer Hunde, unsere Gewohnheiten können die ihren werden. Hunde lernen vor allem durch nachmachen (soziales Lernen) von Artgenossen und auch vom Menschen! Insbesondere dieses Bedürfnis sollten uns dazu anhalten, über uns und unseren Umgang mit unserer Umwelt nachzudenken und Begriffe wie Ethik und Moral wieder in unserem Sprachgebrauch zu führen und als Vorbild danach zu handeln!

16. Verständnis bekommen

Auch wenn Mensch und Hund im biologischen Sinne verschiedenen Spezies angehören, haben sie doch vieles gemeinsam. So kann man davon ausgehen, dass Hunde ähnlich fühlen wie der Mensch. Hunde benötigen Menschen, die sich in sie einfühlen können, die Empathie entwickeln können für Situationen, in denen der Hund die Hilfe seiner Menschen benötigt.

Wir können uns an viele Situationen erinnern, beispielsweise in denen wir Ängste hatten, unser Herz schlug, weil wir verliebt waren oder einfach nur, wo/wann wir uns geborgen und behütet fühlten – oder wann unwohl! Wenn wir versuchen, unsere Erfahrungen in das Zusammenleben mit unserem Hund einfließen zu lassen, besonders auf dieser Gefühlsebene werden wir unseren Hund viel besser verstehen!

16 seelische Grundbedürfnisse, die bei näherer Betrachtung für Mensch und Hund gleichermaßen von Bedeutung sind.

Statt hier anzusetzen, zu fühlen und nachzudenken, meinen wir häufig, gutes Fressen und besonders weiche Schlafplätze sowie ein mit Aktivitäten durchplanter Tagesablauf als physische Grundlagen seien für uns und unseren Hund der Lebenssinn! Läuft was schief, ob in unserem Leben oder im Verhalten unseres Hundes seien nur die Anleitungen der anderen falsch - gerne geben wir anderen die Schuld!
Unsere Gefühle als Verhaltensursache zu verstehen ist uns suspekt. Abläufe, die mechanisch nicht zu erklären sind, sind uns suspekt.

Hinterfragen wir uns ehrlich und horchen in unsere wirkliche Gefühlswelt hinein, dann erkennen wir, so suspekt ist das Geflecht der seelischen Grundbedürfnisse gar nicht. Schnell wird uns klar, dass wir selbst Sehnsucht nach der Befriedigung der seelischen Grundbedürfnisse haben – wir haben Sehnsucht nach der Anerkennung in uns selbst, nach der Selbstverwirklichung, nach Ruhe, Intimität, nach Sicherheit und Liebe.

Mit der Adoption eines Hundes (Tieres) befriedigen wir meist unbewußt schon das Bedürfnis nach einer tieferen Verbindung zu unserer Umwelt, zu einem Naturwesen welches uns bedingungslose Liebe entgegenbringt.

Erkennen wir die Chance, dann hilft der Hund als naturverbundenes Wesen uns dabei, uns unserer seelischen Grundbedürfnisse zu erinnern und diese wieder in ein Gleichgewicht zu bringen! Wir können ihm dann selbiges wieder zurückgeben, ohne Bedingungen. So gehen wir eine gegenseitige soziale Koexistenz ein, die uns schon vor vielen tausenden von Jahren zusammenbrachte.

Wissenschaftliche Erkenntnisse stellen fest, dass Hunde menschliche Gefühle, Absichten ja sogar Denkweisen haben. (Karsten Brensing: Das Mysterium der Tiere, Marc Bekoff: Das Gefühlsleben der Tiere) Das ist wunderbar und so mancher mag auf Grund dieser Beweise (endlich) begreifen, wir nah uns unser Hund wirklich steht und wie ähnlich wir uns in unseren Bedürfnissen als soziale Wesen sind.
Das fühlen selbst, das Hinhören und das Handeln nimmt uns die Wissenschaft jedoch nicht ab!
Es sind weder Aggressionen, noch Ungehorsam, noch Aufmüpfigkeit, noch Vorsatz, es sind nicht Absicht oder Bosheit – es ist einzig der Schrei nach ein kleines bisschen Liebe!

28.12.2017, Kathrin Richter