Ein Hundeleben ...

 
 Nachdenken, Verändern, Leben
 Für Dich und Deinen Hund!

Ein Hundeleben heute - zwischen Dauerstress und Resignation
TEIL 3: gesellschaftlicher Zwang vs. selbstbestimmtes Leben
 

An einem schönen Nachmittag mit einem Hund auf einem Hügel zu sitzen bedeutet im Paradies zu sein, wo Nichtstun nicht Langeweile war, sondern Frieden! (Milan Kundera)

Wer wünscht es sich nicht, dieses Paradies! Oft liegt es dicht vor einem, aber man sieht es nicht! Stress, Hektik und Unzufriedenheit verschleiern den Blick! Konsumdenken lässt den Menschen vergessen, dass die Freude an den einfachen Dingen im Leben den wirklichen Frieden bringt. Die Leittragenden dieser Misere sind nicht nur die Menschen! Auch die Hunde werden um ihre (Seelen) Bedürfnisse betrogen! In einer von menschlichen Marionetten bevölkerten westlichen Wohlstandsgesellschaft wird der Hund zur funktionierenden Maschine dressiert.

Um die seelischen Grundbedürfnisse seines Hundes überhaupt zu erkennen benötigt der Mensch Gefühle und seinen eigenen Verstand!
Wie steht es mit Euch, wie viel Gefühl lasst Ihr zu? Wie warm wird Euch ums Herz, wenn Ihr jetzt an Euren Hund denkt?
Wie kommt es eigentlich, dass viele Menschen genau das nicht mehr Fühlen können?
Gefühlskiller begegnen uns heute überall in unserem Leben.

  • Der erste Gefühlskiller ist die instabile Familie! Eine Familie sollte eigentlich ein zulässiger Raum für Gefühlsäußerungen sein.  Durch die egozentrische Einstellung der Mitglieder fehlt der Familie heute jedoch diese emotionale Grundstabilität. Es ist gesellschaftlich verpönt, über Gefühle zu sprechen! (Siehe Teil 1)
  • Der nächste Gefühlskiller ist das Ignorieren von Intuition und Bauchgefühl:
    Empfindet der Mensch Trauer, Angst, Stress oder andere belastenden Gefühle und negative Emotionen wird in der Bauchgegend ein mulmiges, ungutes Gefühl erzeugt. Positive Emotionen wiederum erzeugen ein gutes Bauchgefühl! Quasi die Schmetterlinge im Bauch! Egal ob gut oder schlecht, auf diese Signale hören die Menschen nicht. Sie werden ignoriert! Die dem Menschen von Natur aus mitgegebene Intuition würde es ihm ermöglichen, über in seinem Hirn gespeicherte Bilder und den damit verbundenen Gefühlen mit unserer Umwelt zu kommunizieren. Der Mensch sendet zwar Gefühle aus, aber sein Handeln ist zumeist mechanisch und nicht kompatibel mit seinen Gefühlen. Er belügt quasi sich selbst, seine Umwelt und seine Familie! 
  • Als nächsten Gefühlskiller sehe ich die einseitigen Erziehungsvorstellungen der Menschen! Die Erziehung des Hundes ist heute ein stark polarisierendes Thema. Jede Erziehungsmethode beansprucht für sich die einzig Richtige zu sein, mit der der Mensch seinen Hund zu dem gesellschaftlich geforderten mechanisierten und dressierten Musterhund macht! (Siehe auch: Erziehung, der Zweck heiligt die Mittel)  Die menschliche Familie ist die wichtigste Institution für die Erziehung des Hundes!
  • Diese massive Beeinflussung von außen ist ebenfalls ein Gefühlskiller! Jede Familie hat ihr Eigenleben. Was bei Nachbars nicht erlaubt ist, kann in der eigenen Familie schon ganz anders sein! Das entscheidet jeder ganz allein! Aber genau das vergessen die meisten Menschen und lassen sich von Nachbarn, Freunden, Fernsehen und anderen Medien mit guten Ratschlägen zutexten. Es wird alles konsumiert, was als modern gilt und irgendwo zu haben, zu sehen und zu hören ist! Selberdenken ist viel zu anstrengend und unbequem, denn schließlich lassen ja heute fast alle anderswo denken! Wenn man sich frei macht von der Meinung anderer dann sollten man anfangen zu denken und zu fühlen!
  • Unsere Wohlstandsgesellschaft und ihre Gesetze sind ebenfalls Gefühlskiller! Gesellschaftliche Zwänge werden dem Menschen überall auferlegt! Wer nicht mit dem Strom schwimmt gilt als Außenseiter! Selbstdenkende Menschen sind nicht erwünscht in einer konsumorientierten Gesellschaftsordnung! Mal abgesehen von dummen Rasselisten, wer per Gesetz ein Kampfhund ist, gelten öffentliche Regeln für so genannte erzogenen Hunde. Die Hunde beispielsweise in einem Lokal werden meist unter den Tisch gezerrt und ins Platz kommandiert - da liegt der erzogenen Hund und zwar sofort. Der Hund weiß gar nicht so recht, wo er sich befindet, ihm wird schlichtweg die Gelegenheit genommen, sich umzusehen. Alles trampelt an ihm vorüber, dem Menschen ist das egal - Hauptsache den angeblichen Standard eines erzogenen Hundes entsprochen!
    Wenn der Mensch sich ruhig hinsetzt ohne viel Gezeter um den Hund, dann legt der sich spätestens nach einem Rundumblick von allein an einem für ihn sicheren Ort. Das setzt natürlich gegenseitiges Vertrauen voraus und hat auch was mit Entscheidungsfreiheit zu tun, zwei der genannten seelischen Grundbedürfnisse!
  • Der Mensch meint, ohne die Anerkennung von außen könne er nicht leben! Die permanente Suche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung ist ebenfalls ein Gefühlskiller! Für diese Anerkennung macht der Mensch fast alles. Auf jeden Fall werden regelmäßig die Hunde dafür verraten.
    In der Familie von Freunden leben zwei Hunde, die Menschen mögen und ihre Couch auch! Da werden sie regelmäßig geschmust und getätschelt, alles ganz lieb! Neulich bei einer Feier war es dann vorbei mit der Tätschelei. Schließlich musste man einigen angeblich ganz besonderen Gästen beweisen, was für erzogenene Hunde man hat! Ein regelrechtes Erziehungstheater mit Kommandobeschuss fand da statt! Mir tat´s so weh, dass ich gegangen bin. Wie müssen sich erst die Hunde gefühlt haben! Wer aufrecht zu seiner Familie und zu seinem Hund steht, der hat die Anerkennung von seiner Familie und von seinem Hund und braucht keine Anerkennung von außen um sich gut zu fühlen!
  • Als letzte Gefühlskiller notiere ich hier noch Stress, Hektik und ein rasanter Lebensstil! Unsere Gesellschaft ist schnelllebig, was gestern noch aktuell war ist heute schon alt! Der Mensch lässt sich mitreißen mit dieser Entwicklung und meint, immer "Up tu Date" sein zu müssen! Warum eigentlich? Wir sind keine Roboter und wir müssen nicht mitschwimmen mit dem Konsum - und Medienstrom, der uns Tag täglich mitreißen will! Es ist überhaupt nicht verwunderlich, wenn bestimmte "emotional geprägte" Zivilisationskrankheiten wie das Burn out Syndrom (lt. Wikipedia:  Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit.) oder auch die Borderline-Persönlichkeitsstörung (lt. Wikidepia: ...oder emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs ist die Bezeichnung für eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet ist.) zunehmen und zum Teil sogar auf die Hunde übergreifen.
    Wie heißt es so schön, der Hund spiegelt seine Menschen! Da liegt es doch nah, von einem gestressten Hund auf einen gestressten Menschen zu schließen! Die Menschen finden einfach keine Ruhe mehr und laufen recht ziellos durch ihr eigenes Dasein!
  • Da ist er wieder, der Hügel und das Paradies, wo Ruhe noch Frieden war und nicht Langeweile!
    Frieden finden durch Entschleunigung! Das ist doch ein echt lohnenswertes Ziel.
    Als Fazit geht mir folgender Gedanke nicht mehr aus dem Kopf:
    Der Mensch entfernt sich mehr und mehr von der Natur, materielle Dinge sind ihm wichtiger als der Erhalt einer naturgegebenen Überlebensstrategie, und er nutzt die Treue seines angeblichen besten Freundes schamlos aus, diesen falschen blödsinnigen Weg mit ihm gemeinsam zu gehen
    Das ist doch echt schäbig!
    Back to nature - Zurück zur Natur - so klingt es überall! Nur in der Natur zu leben oder mal im Wald spazieren zu gehen, reicht da bei weitem nicht! Der Mensch muss wieder lernen, mit der Natur zu leben!
    Auch die Natur beansprucht Grundbedürfnisse, deren Beachtung unser aller Überleben sichert.
    Respekt, Neugierde, Gefühle, Erfahrungsräume, Mitsprache, Intimität, Bewegung, Sicherheit, Vertrauen, Liebe, Ruhe und Gewaltfreiheit erleben und erfahren.

    Quellen: Marc Bekoff: Das Gefühlsleben der Tiere, Jim und Jamie Dutcher: Leben mit Wölfen, Adam Miklosi: Hunde, Alwin Schönberger: Die einzigartige Intelligenz der Hunde, Anders Hallgren: Hundeprobleme-Problemhunde, Armin Krenz: Kinder brauchen Seelenproviant, Gerald Hüther: u.a. Wer glücklich ist, kauft nicht! (Video auf youtube), Almberg et al. 2015. Social living mitigates the costs of a chronic illness in a cooperative carnivore. Ecology Letters uvm.
    Meine größten Quellen sind meine Hunde, jahrelange Erfahrungen, mein Herz und mein Verstand!

    04.11.2015, Kathrin Richter