Gedanken ...

 
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Gedanken zum modernen Hundetraining
Eine Facebookfreundin schrieb in im November 2013 auf ihrer Seite nachfolgenden Beitrag. Leider versinken solche Beiträge irgendwann unter "Es war einmal!" und werden kaum noch gelesen. Das finde ich sehr schade. Einerseits hat die Schreiberin sich echt Mühe gemacht, sich ihren Frust mal "von der Leber" zu schreiben und andererseits sind da so wertvolle Gedanken drin, die von allen Seiten betrachtet sehr zum Nachdenken anregen. Mit ihrer freundlichen Genehmigung habe ich es jetzt hier nebst meiner Antwort dazu eingestellt.

 

Modernes Hundetraining oder du bist als Mensch immer der Arsch!
26. November 2013 um 11:37 von Sabine Hardt, Facebook

Du hättest schneller markern können, mehr Geduld haben, häufiger trainieren können, weniger trainieren können, mehr Engagement haben können, deine Körpersprache besser unter Kontrolle haben können, freundlicher sprechen, bestimmter sprechen, weniger sprechen, anders sprechen, weniger hiervon, mehr davon.... Der Hund hat immer recht, weil er reagiert ja nur auf die Umwelt  und der Mensch am anderen Ende der Leine hat das überlegende Gehirn und mit moderner Wissenschaft lässt sich alles machen.

Der Hund hat vielleicht auch Schmerzen, schlechtes erlebt, pubertiert, ist zu früh kastriert, ist läufig oder die Schilddrüse spinnt, also musst du als Mensch dich in Geduld üben und allzeit souverän darauf eingehen und positiv verstärken oder negativ strafen und ja nicht den Hund frustrieren.
Wenn du einen miesen Tag hast oder dich deine Vergangenheit einholt, deine Hormone spinnen, dann zählt das alles nix. Denke an deinen Hund, der kann ja nix dafür und hat sich ja nun auf dieses oder jenes gefreut und was tust du deinem Hund an, wenn du ihm den Spaß verwehrst.
Ganz schwierig wird es wenn du zu verschiedenen modern arbeitenden Hundetrainern gehst oder Seminare besuchst. Da empfiehlt der eine Geschirr, der nächste lässt dich ohne gar nicht auf den Platz, beim anderen sind Norweger-Geschirre Mist, dem nächsten musst du Rede und Antwort stehn, dass du nicht mit Geschirr und Halsband trainierst, weil der Hund ja so nicht unterscheiden kann, wann er ziehen darf und wann nicht. Wieder anderen ist es egal wie der Hund fest gemacht ist, da wird auch eine Schleppleine am Halsband akzeptiert. Flexleinen für den Alltag, Schleppleinen, Ruckdämpfer, Haltis, Erziehungsgeschirre sind entweder die Pest oder empfehlenswert.

Der nächste lehnt Schreckreize komplett ab, während der andere zumindest anonyme Schreckreize bei Bedarf empfiehlt. Wieder ein anderer Hundetrainer meint du packst deinen Hund in Watte, während der nächste meint du tust zu viel mit deinem Hund. Und wehe du verwendest keine Intermediäre Brücke, Geschirrgriff oder kündigst alle deine Handlungen an.

Staunen tust du wenn Hundetrainer während Seminaren, die sie selbst geben, sagen, dass sie niemals selbst mit einem Hund ein Seminar besuchen würden. Oder mehrere Hundetrainer als Teilnehmer da sind und ein und dieselbe Situation komplett verschieden bewerten. Was der eine da ok findet ist für den anderen schon Tierquälerei. Usw usf....

Was machst du also, so du dein überlegendes Gehirn zu verwenden weißt? Du hörst zu, wägst ab, hinterfragst und bildest dir selbst eine Meinung und triffst Entscheidungen. Das führt natürlich dazu, dass du anstrengend wirst, weil du nicht einfach machst was dir ein Hundetrainer sagt und eigene Entscheidungen triffst. Das führt nun auch noch zu Frust bei dir. Denn du bezahlst dafür Geld, dass du am Ende nur der Arsch bist, der nicht macht was man ihm sagt sich nicht unter Kontrolle hat und natürlich leiden nach Meinung des Trainers einmal mehr deine Hunde unter dir.
Ergebnis? Du hast keinen Bock mehr. Du bist nicht der perfekte Mensch, den es für modernes Hundetraining offensichtlich braucht. Du bist ein Mensch mit Vergangenheit, schlechter Frustrationstoleranz, schlecht kritikfähig, manchmal frierst du oder hast Schmerzen. In modernem Hundetraining hat das aber keinen Platz.

In modernem Hundetraining hast du keinen Platz. Du bist ein Arsch.

Meine Antwort darauf in der Diskussion:
Ein Klasse Beitrag, in dem das Dilemma vieler zusammengefasst dargestellt wird, der sehr viel über das Trainingsverhalten von Menschen aussagt und ich hoffe, nicht nur mich, zum Nachdenken anregt.
Vielen Dank an Dich dafür.
Drei Jahre Seminare/Hundeschule etc. um festzustellen, alles ist irgendwie nicht richtig, ist eine lange Zeit. So wie Dir geht es einer Menge Hundemenschen, zu groß ist der Wust an Methoden/Trainings/Meinungen, der uns Tag täglich begegnet. Für mich stellt sich die Frage, was ist hier "modern"? Sind es wirklich nur die Methoden, die uns den Umgang mit dem Hund vorschreiben wollen, oder sind es doch in erster Linie die "modernen" Menschen selbst, die für alles eine perfekte Lösung durch Trainings, Methoden, Bücher, Fernsehen suchen? Moderne Medien, die moderne Gesellschaft an sich hat es uns einerseits bequem gemacht, andere denken für uns, wir verlassen uns beinahe blind auf sie. Wenn was schief geht, geben wir die Schuld dann in die Richtung ab. Andererseits werden uns auch Bilder von Perfektionismus, ob Mensch oder Tier, nahezu aufgezwungen und uns wird suggeriert, genau das erreichen zu müssen, wir als der perfekte Mensch, die perfekte Familie und der perfekt funktionierende Hund. Benötigen wir diese Lösungen von außen, von anderen? ... unbedingt und überall? Wie viel steckt an Lösungen in uns selbst? Was gut und richtig für uns und unsere Familie ist, die vierbeinigen Mitglieder eingeschlossen, sollten wir versuchen selbst heraus zu finden, denn dafür ist unsere Familie einzigartig, wir tragen die Verantwortung.
Du schreibst, dass Du eigentlich keine Probleme mit Deinen Hunden hast, nur kleinere Baustellen ... die ich nicht kenne. (Anmerkung: diese Info entnahm ich der Diskussion)
Vielleicht liegen die Antworten dafür nicht in modernen Methoden sondern nur in der Art der Herangehensweise eines modernen Menschen.

05.12.2013, Kathrin Richter