Der Ritter ...


 Nachdenken, Verändern, Leben
 Für Dich und Deinen Hund!

 

Ein Gastbeitrag von einer lieben Freundin

Der Ritter und sein Knappe

Ob Hunde Hundekontakt zum Glücklich sein brauchen teilt die Hundegesellschaft seit Jahren in zwei Lager.
Die einen meinen ja und die anderen sind der Meinung, dass sie als Mensch dem Hund als Sozialpartner vollkommen ausreichen.

Ich zähle mich zur ersten Gruppe, denn ich bin der Meinung, dass jedes Lebewesen das Recht haben sollte, mit seiner eigenen Art Kontakt zu halten.
Schlecht geführte Hundegruppen, chaotische Hundewiesen und die vielen "Tut nixe" sind aber auch mir ein Graus. Als bekennende und begeisterte Mehrhundehalter brauchen wir diese Dinge Gott sei Dank nicht, denn unsere Hunde haben innerhalb unserer Patchwork-Familie genug innerartliche Kontakte.

Als die Schließung eine der vielen Tötungsstationen in Rumänien bevorstand, und all jenen noch vorhandenen Hunden, die nicht innerhalb der nächste zwei Tage abgeholt würden, der Tod drohte, baten uns Freunde um Hilfe. Wir sagten zu und so brachte man uns Cap, in einer besonders gut gesicherten Box nach Hause.

"Er ist scheu und beißt".

 

Na gut dachte ich, dass hatten wir doch schon mal. Aber auf Cap waren wir nicht vorbereitet, denn schüchtern ist nicht gleich schüchtern und auch beim "Bissig-sein" gibt es viele Abstufungen. Ja Cap toppte alles, was wir in den letzten zehn Jahren bei uns willkommen geheißen hatten.

Mehr als 10 m durften wir uns nicht nähern, dann war eindeutig Schluss. Das machte er uns trotz seiner nur 45 cm mit markerschütterndem Geheul klar. Einem Geheul, das noch im nächsten Ort zu hören war.
Wir versuchten es wirklich mit allem und in zehn Jahren lernt man so manche Tricks.
Aber Menschen, nein danke!

Eine cirka 2 cm breite Narbe zieht sich von seinen Zehen hinauf über sein Bein bis zu Innenseite des Bauches. Wenn die Narbe schon so breit ist, wie groß und klaffend war dann wohl die Wunde? Sein rechtes Beinchen steht schief, als ob es etwas abgeknickt wäre. Zur Abklärung mussten wir ihn sedieren und einfangen. Nur um durch das Röntgen festzustellen, dass man den schief verheilten Bruch nochmals brechen müsste. Keine Tortur, die wir dem kleinen Kerl antun werden. Sein Weg bisher war schlimm genug und wir trotz aller Bemühungen knapp vor dem Aufgeben.

Doch dann kam das Wunder, praktisch über Nacht und in der Form eines alten schwarzen ausrangierten Hirtenhundes.
Bubi, der selbst von einem Auto angefahren wurde und erst wieder gehen lernen musste, schaffte nicht nur selbst den Weg zurück ins Leben, sondern führt jetzt auch den jungen Cap.
Cap schloss sich dem alten Hund selbst an, folgt ihm wie ein Schatten.
Was Bubi macht, das macht auch Cap-
Was Bubi frisst, das frisst auch Cap oder kostet es zumindest.
Und was Bubi verbellt, das verbellt auch Cap.
Gemeinsam sind sie im Garten unterwegs und gemeinsam schlafen sie auch. Es ist, als ob ihm Bubi seine Welt zeigt und Cap lernt begierig. ….. auch, dass Menschen nicht nur schlecht sind.
In 2 Wochen hat Bubi geschafft, woran wir Menschen, trotz jahrelanger Erfahrung, monatelang gescheitert sind ….. Cap Vertrauen zu lehren. Mittlerweile schläft Cap in einem Körbchen im Wohnzimmer, nur 1 m von uns entfernt. Natürlich in unmittelbaren Nähe zu Bubi.
Er nimmt Leckereien aus der Hand und lässt sich auch schon mal zart die Schnauze kraulen. und seit 2 Tagen holt er sich morgens auch schon mal eine extra Ration Käse ab, wenn Bubi noch schläft.
Aber ansonsten folgt er ihm wie sein Schatten, respektvoll mit ca 1 m Abstand. Ruht Bubi, so wacht Cap an seiner Seite, frisst Bubi, so wartet er auf die Reste im Napf ….. und Bubi lässt im ausreichend übrig. Wenn nicht, füllen wir Menschen rasch nochmals nach, damit Cap nicht zu kurz kommt.

Für Cap ist der alte, schwarze Bubi sein Lanzelot, sein Held in schimmernder Rüstung und für Bubi, ist Cap sein Knappe, sein Lehrling, dem es gilt so viel wie möglich auf seinem Lebensweg mit zu geben.

Zwei die sich nach all ihrem Leid gefunden haben. Bubi hatte schon mehr als 12 Jahre auf seinem schwarzen, zotteligen Buckel, als er vor über einem Jahr zu uns kam und Cap noch keine 2.

Das Leben wird sie in absehbarer Zeit trennen und wir hoffen, dass Cap dann soweit ist, sich in der Menschenwelt allein zu Recht zu finden.
In der Zwischenzeit genießen sie ihre Zweisamkeit und auch wir Menschen lernen, lernen was ein alter weiser Hund noch alles zu geben hat.
Gibt es sie die Freundschaft zwischen zwei Hunden?
Ja es gibt sie, und manches Mal ist der Mensch, so sehr er sich auch ins Zentrum stellt, einfach nicht genug ……

 28.10.2017, Andrea Krauskopf