Vom Sinn ...


 Nachdenken, Verändern, Leben
 Für Dich und Deinen Hund!

Vom Sinn der Sinne

Heute besuchen meine Hunde Jari und Watzek mit mir einen abgelegenen Ort am Fluss Peene. Wir klettern über umgestürzte Bäume, um auf die Halbinsel zu gelangen.
Ein wunderschöner Ort, an dem die Natur Stück für Stück nimmt, was ihr gehört! Selbst der Müll wird mit grün überdeckt.
Wir erkunden gemeinsam die Ufer ringsum, gehen kleine Pfade entlang bis in versteckte Ecken.
Nebenan auf einem Kanal baden zwei Schwäne. Ihr Flügelschlag klingt wie Musik! Die aufspritzenden Wassertropfen blinkern märchenhaft in der Sonne.
Die malerische Kulisse lässt meine Augen leuchten!
Wasser, Minze, Erde – riecht einfach wunderbar!
Das Tun um mich herum ist ein Konzert für die Sinne, die Natur als großer Meister!
Ein Lächeln breitet sich aus, über mein Gesucht, in den Bauch bis zu den Fußspitzen.
Meine Hunde genießen anders, auf ihre Weise. Watzek inspiziert schnüffelnd jeden Winkel und Jari wälzt sich im Wiesen-Duftcocktail. Nach einem kurzen Spiel legen sie sich, entspannt beobachtend und wachend. Bäume und Silhouetten spiegeln sich im Wasser. Mein Äußeres kann auch ich im Wasser erkennen. Wer ich bin spiegeln meine Hunde. Auf dem Rückweg bleiben beide vor jedem Baum und jeder Gabelung stehen und fragen mich nach dem Weg.

Ein sinnvolles Geschenk der Natur

Alle Lebewesen sind mit Sinnen ausgestattet, um sich in ihrer natürlichen Umgebung zurechtzufinden, mit ihr zu kommunizieren und um letztendlich ein Überleben zu ermöglichen.
Als Sinn wird die physiologische Wahrnehmung der Umwelt mit Sinnesorganen bezeichnet. Dabei geht es nicht nur um eine reine Informationsaufnahme über die Sinnesorgane an sich, sondern auch um die Zuordnung der im Gehirn gespeicherten persönlichen Erfahrungen und damit verbundenen Gefühlen zu diesen Informationen. Umwelteinflüsse und eigene Erlebnisse können die Sinneswahrnehmungen verändern. Das Zusammenspiel mehrerer Sinnesorgane ermöglicht weitere Sinnesleistungen.

Aristoteles, wohl bekanntester Philosoph der Antike, beschrieb bereits vor über 2000 Jahren die 5 klassischen Sinne von uns Menschen: SEHEN (visuelle Wahrnehmung) mit den Augen, HÖREN (auditive Wahrnehmung) mit den Ohren, RIECHEN (olfaktorische Wahrnehmung) mit der Nase, SCHMECKEN (gustatorische Wahrnehmung) mit der Zunge und TASTEN (taktile Wahrnehmung) mit der Haut.
In der modernen Physiologie kommen noch der TEMPERATURSINN (die Thermorezeption) über Haut und Schleimhäute in den Eingeweiden, die SCHMERZEMPFINDUNG (Nozizeption) als unangenehme bis unerträgliche Empfindung im Körper eines Lebewesens, der GLEICHGEWICHSTSSINN (Vestibuläre Sinn) über komplexe Vorgänge im Innenohr, Kleinhirn, Sehnerv sowie der Skelettmuskulatur und die KÖRPEREMPFINDUNG (Propizeption) als Wahrnehmung der Körperbewegung bzw. der Körperteile zueinander dazu.
Der so genannte 7. Sinn (oder auch 6.) bezeichnet Wahrnehmungen von Mensch, Tier und Natur auf weiteren „ÜBERSINNLICHen“ Ebenen. Der britische Biologe Rupert Sheldrake macht dafür so genannte Morphische Felder verantwortlich. Während Naturvölker bewusst mit diesem 7. Sinn leben und so miteinander sowie mit der sie umgebenen Natur kommunizieren, bleibt den ständig nach wissenschaftlichen Nachweisen fragenden „modernen“ Menschen diese einfache Welt suspekt.

Unser sich mehr und mehr der Natur entfremdendes Lebensumfeld sowie zunehmend künstlich geschaffene Kommunikationsebenen scheinen den Sinn aller Sinne auf den Prüfstand zu stellen!

Sind Sinneswahrnehmungen in einer naturfremden Umgebung noch wichtig?

Bewegen wir uns heute in der Öffentlichkeit, fallen zwei Phänomene auf: Viele Leute tragen Ohrhörer und/oder ihre Augen sind auf ihr Handy gerichtet. Mal von der ungeheuren Ablenkung und damit verbundenen Gefahren im Straßenverkehr etc. abgesehen, befinden sich diese Leute zumeist in ihrer „eigenen Welt“, ganz egal wo sie gerade sind. Sie schotten sich quasi ab, sind blind für das Umsieherum (selbst im eigenen zu Hause). Das Zusammenspiel der Sinne HÖREN und SEHEN wird ausgehebelt.

Mit Hilfe des ORIENTIERUNGSSINNs finden Menschen und Tiere sich im Raum und richtungsbezogen zurecht. Unsere Augen und Ohren sowie der Muskel- und Gleichgewichtssinn erbringen in Gemeinschaftsarbeit diese weitere Sinnesleistung. Das Wissen um den Stand der Sonne schafft dazu ein Zeitempfinden. Während ein Teil der dazu benötigten Grundfähigkeiten angeboren sind, können wir durch Übung und Gedächtnistraining die Orientierung schulen. Raum, Richtung und Zeit verlieren heute mehr und mehr den ursprünglichen Zusammenhang. Sie sind reduziert auf Anzeigen uns überall umgebener technischer Geräte, nach denen wir funktionieren.

Selber Kochen ist out. Die in Fastfood und Fertiggerichten enthaltenen künstlichen Aromen und Zusatzstoffe, selbst über die Hälfte der Restaurants greifen auf Fertigprodukte zurück, lassen den GESCHMACKSSINN verkümmern. Genmanipulierte mit Gift (gegen Unkraut, Keime, Bakterien, Viren, Pilze) behandelte Grundnahrungsmittel vergiften neben unserem Körper auch unseren Geschmack.

Des Menschen Luxus und Bequemlichkeit als Maß aller Sinne?

Unsere Arbeitswelt spielt sich heute zumeist in wohl temperierten Betonburgen ab. Jobs an der frischen Luft werden als unbequem empfunden. Da fällt es nicht allzu schwer, dem schillernden Stadtleben zu folgen. Klimaanlagen sowie intelligente Heizungssysteme, die die Temperaturen in Wohnungen, Büros und Verkehrsmitteln angenehm konstant halten, sowie wenig körperliche Betätigung belügen das natürliche Warm-Kalt-Gefühl der Haut. Kalten Temperaturen glauben wir nur durch die Flucht in warme Räume zu entfliehen. Sich durch Bewegung (gar an der frischen Luft) aufzuwärmen oder einfach eine wärmende Jacke anzuziehen – vergessenes Wissen einer älteren Generation?

Unser Körper gibt von Natura aus Warnsignale wie den Schmerz, der so viel bedeutet, wie etwa: bis hier und nicht weiter – mach Schluss mit dem, was du da tust! Unser natürliches SCHMERZEMPFINDEN büßen wir nach und nach ein. Der schnelle Griff zur Pille lässt selbst den leichtesten Kopfschmerz vergessen. Für einen kurzen Spaziergang in der Natur, der den gleichen Effekt (+ weitaus mehr) hätte, nehmen wir uns schlichtweg keine Zeit. Unser Sinnerleben verändert und reduziert sich auf Bereiche, die eher der eigenen Bequemlichkeit als der Gesundheit dienlich sind.

Sinne leben und leben lassen

Die Sinne der Säugetiere sind ähnlich denen von uns Menschen. Einige verfügen evolutionär bedingt über erweiterte und weitere Sinne, die ihrem speziellen Lebensraum angepasst funktionieren und unseren Sinnen oft überlegen sind. So kann der Hund in der Dämmerung besser sehen und Töne anderer Frequenzen hören. Seine Riechleistung ist um eine Million Mal besser! Der kürzlich bei Hunden nachgewiesene MAGNETSINN zeigt, dass Hunde empfindlich auf das Magnetfeld der Erde und deren Tag- und Nachtschwankungen reagieren. Über den 7. Sinn der Hunde könnten deren Besitzer am Besten Auskunft geben. Das in jüngster Vergangenheit untersuchte Verhalten von Hunden, die die Heimkehr ihrer Menschen spüren, obwohl sie sie nicht sehen bzw. hören, ist nur ein Beweis.

Heute weiß man, dass Schmerz auch bei Tieren eine Sinnesleistung ist. Wir können über unsere Einnahme von Schmerzmitteln und deren Folgen bewusst entscheiden. Auch für den Hund treffen wir derartige Entscheidungen und das häufig nur nach eigenem, menschlichem Befinden. Ein Hund mit einer verletzten Pfote benutzt diese instinktiv nicht. Ein Mittel gegen den natürlichen Schmerz gaukelt ihm allerdings vor, es sei alles in Ordnung – und er will laufen, was für einen Heilungsprozess nicht förderlich ist. Also gibt es das nächste Mittelchen, was den Hund ruhig stellt. So hebeln wir das naturgegebene Warnsystem des Hundes aus, was da bedeutet: bis hier und nicht weiter – mach Schluss mit dem, was du da tust! Es ist überhaupt nicht selten, dass Tieren unnötig Schmerzmittel verabreicht werden. So können sie weiterhin ihre Leistung für den Menschen erbringen. Doping ist dafür ein gebräuchliches Wort.

Ähnlich wie bei uns Menschen leidet auch beim Hund der GESCHMACKSINN. Der Hund frisst, was wir mit Hilfe der Futtermittelindustrie und allzu oft auch nach Tierarztmeinung denken, es sei für den Hund gesund und bekömmlich. Eine gründliche Futteranalyse, unabhängig von verschleiernden Testergebnissen und Bewertungen, ist mit ein wenig Aufwand durchaus möglich und kann zu erstaunlichen bis erschreckenden Ergebnissen führen!

Das evolutionäre Vermögen des Hundes, sich dem Menschen anzupassen - wird den Sinnen des Hundes das zum Verhängnis?

Hunde sind Nasentiere. Sie empfangen die meisten für sie relevanten Informationen über ihre Riechorgane. Ihre Umwelt schnüffelnd zu erkunden und so die neusten Neuigkeiten zu erfahren steckt ihnen in den Genen. Neben Fressen und Schlafen war und ist dies die, übrigens ziemlich kräftezehrende, Hauptbeschäftigung sämtlicher Caniden. Dementsprechend groß ist das für die Riechleistung zuständige Arial des Gehirns ausgeprägt. Diese außerordentliche Fähigkeit versetzt den Hund auch in die Lage, fehlende andere Sinne zu kompensieren. Blinde Hunde beispielsweise finden sich sehr wohl in ihrem Zuhause zurecht. Mit Hilfe ihrer übrigen Sinne, vor allem des Geruchsinnes, bauen sie sich ihre eigene Karte im Kopf, auf der sie sich dann bestens zurechtfinden.

Des Hundes feiner GERUCHSSINN sowie sein unbändiger Wille, uns Menschen zum Gefallen zu sein, beschert einigen von ihnen heute Jobs. Als Polizeihund, Rettungshund oder als Spürhund bei der Jagd, für Drogen, Geld, Sprengstoff etc. sowie für bestimmte Krankheiten werden seine speziellen Fähigkeiten von uns hoch geschätzt und ausgenutzt. Viele Hunde mit Job zahlen dafür einen hohen Preis - angefangen bei der oft sehr harten Ausbildung, über einen Dauerjob ohne Freizeit bis hin zu einem frühen Tod durch Unfall, Stress oder körperlicher Schwäche.
Es gibt aber auch Hunde, die mit ihrer Arbeit weitaus glücklicher sind als so mancher ihrer Art, die ihr Dasein auf der Couch fristen.
Um Hunde in der Familie unter dem Deckmantel der Erziehung artgerecht auszulasten gibt es immer mehr Sportarten, Ausbildungen und Trainings, die diesen Jobs angeblich angelehnt sind. Unabhängig von Rassemerkmalen, mentaler Eignung und Interesse werden Hunde heute in diese Ersatzjobs gepresst. Ungeduldige Menschen wollen dabei schnelle Erfolge! So wird bei der Ausbildung der Hunde eher auf Methoden der belohnenden Konditionierung als auf die eigentlichen Sinne und dem Willen des Hundes zu Helfen gesetzt. Der Hund arbeitet in Erwartung der in Aussicht gestellten Belohnung (oder Strafe) antrainierte Leistungen mechanisch ab. Seine ureigenste Motivation, dem Menschen nach seinem Vermögen und seinen Anlagen aus sich heraus helfen zu wollen, wird missachtet, gar abtrainiert. Vielen Menschen ist keineswegs klar, dass eine solche Leistungserwartung ihrem Hund enormen Stress bereitet, oft sind Verhaltensauffälligkeiten die Folge. Es ist modern, einen ausgebildeten „Besuchshund“ zu haben! Sich über seinen Hund zu profilieren ist bei den Menschen ebenfalls wieder groß in Mode gekommen! Für Vereine und Hundeschulen übrigens eine sehr lukrative Entwicklung!

Ein scharfsinniges Grundbedürfnis

Seine Sinne auszuleben und sie zu nutzen gehört zu den Grundbedürfnissen des Naturtieres Hund. Die Jahrtausende währende Partnerschaft zwischen Mensch und Hund baut auf die gegenseitige Ergänzung der Sinne beider Spezies auf. Beide lebten nach denselben Naturgesetzen und ihre Sinne waren nach den Gegebenheiten der Natur ausgerichtet. Noch heute ist es dem Hund ein Bedürfnis, seinem Menschen mit seinen Sinnen zur Seite zu stehen – auch wenn der Mensch sich mehr und mehr von der Natur entfernt und den Hund in seine technisierte Welt hineinzieht.

Der technische Fortschritt als Sinnekiller?

Hunde in der heutigen Familie leben wie ihre Menschen in einer künstlichen Umgebung mit wenig Bezug zur Natur. Dagegen steht eine Überflutung mit unnatürlichen Reizen. Es ist anzunehmen, dass das natürliche Sinnesempfinden der Lebewesen, ob Mensch oder Haustier, durch die Strahlungen der vielen technischen (Haushalts)Geräte und künstlichen Lichtquellen schaden nimmt. Dazu gehört auch beim Hund das Kalt-Warm-Empfinden. Während Hunde in unseren Breiten von Natur aus ein Sommer- und Winterfell tragen, beklagen Hundehalter vermehrt, dass ihre Hunde das Jahr über permanent Fell verlieren und gar kein richtiges Winterfell mehr ausbilden. Sind die Hunde dann mal draußen, frieren sie und wollen sich durch Bewegung instinktiv Aufwärmen. Meist soll´s jedoch ein Hundemantel richten, der die natürliche Luftzirkulation des Felles noch weiter einschränkt und die aktive Bewegung sowieso!

Das Bedürfnis des Hundes SEINEN Sinnen nachzugeben, sich zu bewegen, zu informieren und zu kommunizieren, sich als ein Teil dieser Welt zu betrachten, wird seitens des Menschen wenig beachtet. Als grandiose Sinnesleistung in vielen Jobs geschätzt, kann der ausgeprägte Geruchssinn des Hundes bei vielen Menschen beim normalen Gassigang allenfalls zum Rümpfen der Nase zumeist gepaart mit Unverständnis für die Art, Dauer und Intensität, wie der Hund seinen Sinn gebrauchen möchte, führen.
Einlullender Wohlfühlduft aus dem praktischen Zerstäuber, recht aktiv gegen jegliche angeblich schlimmen Gerüche beworben, chemisch fein auf die Nase abgestimmt, manipuliert perfekt das natürliche Geruchsempfinden. Wenn man davon ausgeht, dass sich der Mensch und mit ihm der Hund mehr als ¾ des Tages in geschlossenen Räumen aufhält und somit dauernd künstlichen Duftstoffen ausgesetzt ist, wundert’s nicht, dass vielen Menschen die Natur plötzlich stinkt!

Ist es nur eine Frage der Zeit, dass auch dem Hund die Natur „stinkt“?

Unausgelebte Sinne und damit einhergehende Langeweile frustrieren nicht nur Hunde! Städtische Minimalstgrünflächen und gelblich schimmernde Hausecken sind genauso unzureichend bzw. ungeeignet für ein natürliches Sinnerleben wie Raine neben (Monokultur)Äckern, auf denen Unkrautvernichtungsmittel alles unerwünschte Leben tötet. Schaut man sich um, verschwinden selbst in ländlichen Regionen mehr und mehr die angeblich bewirtschaftungsintensiven Wiesen, selbst die Ackerraine werden immer schmaler oder müssen ganz den gewinnbringenden Energiepflanzen weichen. Die Einschränkung und das Verschwinden natürlicher Gegebenheiten, die Veränderung und Ausbeutung der Natur bedeuten eine eingeschränkte Nutzung der Sinne – für die gesamte Tier- und Menschenwelt.

Werden die Sinne heute absichtlich manipuliert?

Eine technisierte größtenteils auf materiellem Besitz basierende Welt und damit einhergehende naturentfremdete Lebensideologien stellen den ursprünglichen Sinn der Sinne in Frage. In einer konsumorientierten Gesellschaft dienen Sinne größtenteils denen, die am Konsum verdienen. Bunte Scheinwelten: dem Auge wohlgefällige schöne glitzernde und blinkende Farben; den Ohren angenehme, einer Zielgruppe angepasst schmeichelnde oder doch eher aggressive, Töne; der Nase an die Natur angelehnte künstlich nachgebaute Wohlfühlgerüche, dem Gaumen Geschmacksverstärker ….manipulieren die Sinne, halten sie auf Trab um fit zu sein für den nächsten Konsum. Manche Firmen geben über 20% ihres Budgets für Werbung aus. Das gilt nicht nur für Produkte, die der Mensch angeblich braucht. Der Markt um das Haustier ist riesig und die Verkaufsstrategien sind entsprechend. Die Frage, warum gerade bestimmte Firmen so viel Geld für die Manipulation der Sinne zahlen, sollte sich jeder stellen!

Allemal fraglich ist die Zucht von Hunderassen, denen man absichtlich den Gebrauch der Sinne zur Qual macht oder den Verlust eines Sinnes billigend in Kauf nimmt! Hunde, denen die Augen aus dem Kopf fallen, weil große Augen dem Aussehen kleiner Kinder ähneln oder Hunde, die nur röchelnd und schnaufend einer Geruchsspur folgen können, weil eine platte Nase diesem irrsinnigem Schönheitsideal, genannt auch Kindchenschema, ebenfalls entspricht, blinde Hunde als krankes Nebenprodukt modischer „must have“ Fellfarben, die nur eine defekte Natur hervorbringt, oder Hunde, die ihren Kopf zum Schnüffeln wegen ihres kranken Rückens nicht mehr schmerzfrei bis auf den Boden senken können, weil überwinkelte Hinterbeine und daraus hervorgehend eine abfallende Kruppe aus einem einstigen Gebrauchshund einen augenscheinlich Schöneren machen soll … zeugen von einer ziemlich sinnentfremdeten kranken Mensch-Hund-Partnerschaft.

Höchste Zeit, sich zu besinnen!

Noch profitieren wir von den Sinnesleistungen unseres (angeblich) besten Freundes. Geht man davon aus, dass der Hund sich wie seit vielen tausenden Jahren dem Menschen auch weiterhin anpasst, steht zu befürchten, dass ihm seine natürlichen Sinne mehr und mehr verloren gehen. In einer technisierten Gesellschaft, in der künstlich geschaffene Sinneswelten Vorrang vor der natürlichen Wahrnehmung erhalten wird es für das (noch) eng mit der Natur verbundenes Lebewesen Hund schwer, wenn nicht sogar unmöglich sein, den ursprünglichen Sinn seiner Sinne zu leben. Die traurige Erkenntnis, dass ein Hund in der westlichen Welt nicht allein überleben könnte und darum abhängiger denn je vom Menschen ist, untermauert nur allzu deutlich diese Gedanken.

Es könnte allerdings auch sein, dass wir uns mehr und mehr des unschätzbaren Wertes dieser Sinne als einzigartiges Bindeglied für die Rückkehr in ein naturverbundenes Leben bewusst werden. Der Hund wäre endlich wieder Teil einer mit der Natur lebenden Familie, die seinen Sinnesleistungen jederzeit achtsam und mit Respekt begegnet. Wir hingegen könnten unsere Sinne neu entdecken, schulen und sie mit denen des Naturtieres Hund in Einklang bringen. So könnten beide das gleichwertige voneinander profitierende Team werden, wie sie es vor tausenden von Jahren schon waren.

Meine Hunde fragen mich nach dem Weg...

Selbstverständlich und ohne Abstriche trage ich die Verantwortung für alle meine Hunde. Ich gebe ihnen die Sicherheit, sie vor den Gefahren dieser rücksichtslosen Welt voll mit schnellen Autos, schießwütingen Jägern und mediengeschädigten Menschen zu beschützen und nehme dafür in Kauf, dass sie einen Teil ihrer Sinne in bestimmten Situationen nur eingeschränkt nutzen. Meine Hunde vertrauen mir und verlassen sich darauf, dass ich den richtigen Weg weiß.... Die naturverbundene Lebenseinstellung unserer Familie, ein natürliches Umfeld in dem Sinneswahrnehmungen unmanipuliert erlaubt sind und auch mal mit Knurren und Bellen beantwortet werden, abwechslungsreiche Nahrung und eine aufmerksame Gesundheitsfürsorge schaffen ein Gleichgewicht der Sinne. Die Balance halten unsere Achtsamkeit und unser Respekt für das ureigene Sinnerleben von uns Menschen und dem der Hunde.

18.10.2016, Kathrin Richter

Quellen: Wikipedia: Sinn (Wahrnehmung), Rupert Sheldrake: Der siebte Sinn des Menschen, Der Siebte Sinn der Tiere, Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen: Auch Hunde haben einen Magnetsinn; Adam Miklosi: Hunde, Marc Bekoff: Das Gefühlsleben der Tiere uvm.
Meine größten Quellen sind meine Hunde, jahrelange Erfahrungen, mein Herz und mein Verstand