Vestibular ...

 
 Nachdenken, Verändern, Leben
 Für Dich und Deinen Hund!

Vestibular-Syndrom - Eine Chronik

Mittwoch:
Wir kommen von der Arbeit heim, unsere Schäferhündin Inka taumelt uns entgegen, kann sich nicht auf den Beinen halten, die Augen flackern, den Kopf hält sie schief. Vor einigen Jahren verloren wir unseren Rüden nach ähnlichen Symptomen. Ich könnte Schreien, ohnmächtige Angst macht sich breit. Unsere Tierärztin ist ausgerechnet jetzt im Urlaub.
Sofort in die nächste Tierklinik: Verdacht: Vestibular-Syndrom (häufig bei Hunden mit 12 Jahren - habe noch nie davon gehört) oder ein Tumor! Sie frisst und trinkt, wenn wir es ihr mit der Hand reichen! Sie kann Wasser lassen und der Rest klappt auch.
Die Untersuchung und die Klinik sind Stress für den Hund. Wir könnten sie die Nacht dort lassen wegen einer Infusion. Wir lehnen ab, bauen ihr zu Hause eine weiches Krankenbett, geben ihr Nähe und Fürsorge. Die anderen Hunde sind interessiert am Geschehen, besuchen Inka und merken, Ruhe ist angesagt.

 

Donnerstag:
Inkas Zustand ist unverändert, die Augen flackern, den Kopf hält sie weiterhin schief, beim Laufen braucht sie unsere Stütze, links ist nach wie vor ihre Richtung, ohne Stütze würde sie im Kreis taumeln, schütteln geht gar nicht, da fällt sie um. Ich fahre allein in die Klinik um mit dem Tierarzt zu sprechen, Inka lasse ich zu Hause. Am Vortag war von weiteren Untersuchungen die Rede, deren Sinn will ich abklären.
Der Tierarzt meint: Es hätte schon Besserung eintreten müssen, die Wahrscheinlichkeit Tumor steigt! Weitere Untersuchungen würden sich mit dieser Diagnose Tumor befassen. Wir waren uns im Vorfeld einig, dass wir derartige Untersuchungen nicht machen lassen. Der Sinn steht einem unsinnigen Aufwand gegenüber, nur um etwas zu bestätigen, was nicht mehr zu ändern geht, meinen wir. Der TA versteht das, bittet aber um eine baldige Entscheidung und um Vorkehrungen! Ich bin realistisch, gebe aber die Hoffnung nicht auf.
Am Abend gehe ich mit Inka hinaus und mir ist, als wenn sie beim Laufen nicht mehr ganz so viel gestützt werden muss. Ist es nur Einbildung?
Freitag:
Das Flackern in den Augen ist fast weg! Hurra!
Das Laufen geht ein wenig besser. Der Kopf steht noch schief - es wird! Wir sind guter Hoffnung. Die Diagnose Tumor ist vom Tisch!
Samstag:
Kein Augenflackern mehr, die Kopfschiefstellung ist noch da, aber nicht mehr ständig. Inka steht von allein auf und will uns folgen! Katzen sind wieder interessant! Auch wenn sehr wackelig auf den Beinen, möchte sie gerne ihren Erzfeinden hinterher jagen! Ein kurzer Gassigang ist anstrengend. Jetzt ist viel Ruhe angesagt!
Wir haben noch eine Menge gemeinsame Zeit vor uns - trotzdem wurde uns mal wieder bewusst, dass auch die endlich ist!
Sonntag:
Nur langsam wird der Zustand von Inka stabiler Die Kopfschiefstellung und der taumeliger Gang ist fast unverändert zu gestern. Das Schwindelgefühl ist noch da. Stellen wir ihr einen Napf vor. braucht sie erst einmal eine Weile um klar zu sehen.
Gestern Abend standen wir am Krankenlager unseres Hundes und freuten uns über die grünen Augen, die uns anleuchteten und natürlich über ihre Genesungsfortschritte.
Da kam unsere Tochter dazu und meinte, wir stünden da wie bei der ersten Babybesichtigung.
Ich glaube. genauso fühlten wir auch in dem Augenblick!

Bei dieser Krankheit handelt es sich um eine unerklärliche plötzliche Störung des Gleichgewichtsorganes im Innenohr. Dem Hund ist arg schwindelig! Die Krankheit kann von einem Augenblick zum anderen auftreten und manchmal auch genauso schnell wieder besser werden, die ganze Genesung dauert allerdings über 14 Tage.
Was ganz wichtig ist zu wissen, dass viele denken, es handle sich um einen Schlaganfall und es Tierärzte gibt, die das bestätigen, erklärungshalber wurde uns gesagt.
Richtig ist, dass Hunde keinen solchen Schlaganfall wie wir Menschen haben können.
Im Internet gibt es eine Reihe von aufschlussreichen Erklärungen zu diesem Thema.

Nachtrag:
Mittwoch, eine Woche später ... hinter uns liegt eine harte Woche mit einem großen Rückschlag. Wir befürchteten schon das Schlimmste, nachdem Inka Dienstag gar nicht mehr aufstehen wollte. Mit größter Mühe wurde das große und kleine Geschäft erledigt - aber es wurde erledigt und der Appetit war auch noch da! Ruhe und Geduld, eine nie schwindende Hoffnung - seit Freitag geht es wieder bergauf, ganz langsam! Jeden Tag geht Inka nicht nur sprichwörtlich einen Schritt weiter! Es ist eine tückische Krankheit, die uns wohl noch eine Weile beschäftigen wird (Heute sind es drei Wochen!)

Mai 2014, Kathrin Richter