Das Band...

 
Erlebt, nachgedacht und aufgeschrieben -
für den Hund und seine Menschen!


 

 

Das Band der Liebe

Spätestens vor 2 Jahren, als man mir von offizieller Stelle zu verstehen gab, dass man in unserer Gesellschaft nur Hundetrainer möchte, die mit dem Hund alles Mögliche nach so vielen wie möglich Methoden trainieren und dementsprechend auch mit diesen Methoden aus Hunden funktionierende Objekte machen, hatte der Gedanke, als Hundetrainer zu arbeiten sich für mich erledigt.
Denn eins will ich ganz bestimmt nicht mehr (habe es jahrelang im Sportverein getan): Hunde trainieren und mich dadurch mit meinen Erwartungen und Wünschen über den Hund stellen.

... und mal ganz ehrlich, brauchen normale Hunde in unsere Familie wirklich Training um glücklich zu sein?


Brauchen hilfesuchende Menschen, denen ihr unvoreingenommener Blick auf ihren Hund abhanden gekommen ist, nicht eher einen Coach, meinetwegen auch Trainer genannt, der sie auf den richtigen Weg zu ihrem Hund zurückführt und dabei das Lebensumfeld und den Menschen selbst kritisch betrachtet?

Über Hundetrainer zu diskutieren ist immer recht müßig, jeder hat seinen "Guru" und verteidigt ihn dann auch auf Brechen und Biegen.
Kürzlich war ich in einem Gedankenaustausch über Hundetrainer involviert, die sich gerade irgendwie neu orientieren oder sich neu erfinden.
Über die Aussicht der (scheinbaren) Veränderung haben sie schon mal erreicht, dass man über sie redet.
Perfektes Marketing gehört heute zur Verkaufsstrategie eines Hundetrainers. Moderne Webseiten gefüllt mit viel Text, anspruchsvoll klingend für den Laien, Videos, die anders sind als andere und Geschmack auf für Hundehalter notwendige DVD´s und/oder besondere Hilfsmittel machen, suggerieren ´zig Jahre Erfahrung, allerfeinstes modernstes Wissen und vor allem: „Hier wird Dir geholfen!“

Es gab noch nie so viele Hundetrainer wie heute, allerdings gab es auch noch nie so viele so genannte Problemhunde wie heute.
Das da was schief läuft, haben auch die Hundetrainer längst erkannt, führt man die steigende Zahl der Probleme zwischen Mensch und Hund letztendlich doch auch auf ihr Unvermögen zurück.
In den Trainerkreisen ist man auf der Suche nach Lösungen. Während einige tatsächliche ihre Wege und Methoden überdenken und versuchen, umzudenken, geben andere dem Kind nur einen anderen Namen. … erfinden sich neu, springen auf Züge auf, die gerade gefragt sind.

Schaue ich näher hinter die Kulissen angeblich neuer Lösungen, dann geht es nach wie vor um das Objekt/die Maschine Hund, welches durch Dressur jederzeit kontrollierbar gemacht werden soll. Der Hund soll tun, was der Mensch will!
Wenn manche Trainer behaupten, sie arbeiten mehr am Menschen, stimmt das sogar! Sie vermitteln den Menschen, wie genau sie ihren Willen beim Hund durchsetzen – letztendlich nach wie vor, wie man sich als DER MENSCH über den NIEDEREN Hund stellt.
Hunde "spüren" allenfalls irgendwas, wobei hier „spüren“ fast ausschließlich mit dem enormen Geruchssinn des Hundes oder einer rassetypisch genetisch fixierten Disposition begründet wird. Das Wort "fühlen“ wird gemieden, als stände es dem Hund nicht zu!
Der Begriff „Grundgehorsam“ verliert ganz bewusst nie seine Aktualität. Wie sollten manche Hundetrainer Erziehung erklären, wenn nicht die Hilfsmittel der Kommandos wären?
Dazu hält sich nach wie vor die Mär der artgerechten Auslastung des Hundes durch stundenlange vom Menschen vorgeschrieben Beschäftigung. Kopfarbeit, Dummysuche, Clickertraining, Tricks… wer wenn nicht die Hundetrainer müssen den Menschen zeigen, wie man Hunde richtig auslastet.

Anzuerkennen, dass Gehorsam und Kommandos nichts mit Erziehung zu tun haben und Beschäftigung auch mal gemeinsames inniges Nichtstun sein sollte, wäre ein so bedeutender (Fort)Schritt …

Der Wille des Hundes, seinen Menschen sowieso helfen zu wollen, die Bereitschaft zur Kooperation, das Bedürfnis des Hundes nach Zugehörigkeit zur menschlichen Familie und der Liebe seiner Menschen finde ich ganz selten in (neuen) Trainerkonzepten.
Ebenfalls werden der zunehmende Egoismus des Menschen, der menschliche Verlust von Empathie und Intuition, die fehlenden sozialen Strukturen in der menschlichen Familie sowie die allgemeine Unzufriedenheit der Menschen über die eigenen Lebensumstände ignoriert. Mal ganz davon abgesehen, dass der Mensch nur noch ein Meinungs- und Medienkonsument ist und das eigenständige Denken verlernt.

Wenn es heißt, zurück zu den Wurzeln, wohin soll denn die Reise gehen, wenn nicht genau dahin, all das vom Menschen Verlorene wiederzuentdecken!
Dahin, zu begreifen, warum die heutige Welt so lieblos und mechanisch ist wie sie ist und zu lernen, sein Leben mit Rücksicht und Respekt anderem Leben gegenüber selbstbestimmt zu führen!
Dahin, den Hund als eigenständiges fühlendes Lebewesen mit seelischen Bedürfnissen wahrzunehmen und anzuerkennen, dass Mensch und Hund weitaus mehr verbindet als eine freundschaftliche Partnerschaft!

In diese Gedanken hinein erhalte ich Nachricht von einer Feundin:

"Hab die letzten Tage eine "Mörder-Grippe" erwischt und bin 2 Tage mehr tod als lebendig im Bett gelegen. Und immer, wenn ich, mit einem leichten Schleier vor den Augen meine Umwelt wahrgenommen habe ..... war sie da ..... mal neben mir, mal am Bettende und natürlich auch mal auf dem Polster.
Auf Lupina ist immer Verlaß, mehr als 48 h im Schutzmodus, denn es hätte ja was passieren können.
Dabei ist Lupina nur ein Tierschutzhund, als Welpe ausgesetzt, kaum sozialisiert, nicht von einem "verantwortungsvollen" Züchter produziert.
Und das "Schlimmste" von allem, weil das ja in der Hundetrainerszene zur Zeit so wichtig ist .... sie ist NICHT introvertiert und sie kann keine Tricks, die ich irgendwelchen Bekannten zu meinem Ruhm vorzeigen könnte.
Also ein Hund von dem man besser die Finger lassen sollte!
Und trotzdem ist da ein Band, dass man sich nur wünschen kann. Ein Band, das man durch Training nicht erreichen kann. Ein Geschenk, dass uns die Hunde machen, wenn wir ihnen unser Herz öffnen, tief drinnen und ohne Vorbehalte.
Trainieren kann man dieses Band nicht, aber wer bereit ist, kann vielleicht lernen, es zu binden."

Alles gesagt ....

01.02.2017, "Andrea Krauskopf", Kathrin Richter