Lehrstunde...

 
 Von einem Ort,
 an dem die Uhren anders ticken!




 

Lehrstunde

Von Lebensweisheiten, die Hunde uns voraus haben!

"Das Band, das die wahre Familie verbindet, ist keins aus Blut, sondern eins aus Respekt vor dem Leben des Anderen." (Richard Buck)

Wer sind wir?
Was macht uns Menschen aus?
Da sind erst einmal die Gene, die unseren Zellen sagen: Mach einen Menschen daraus!
Wir Denken, Fühlen und Handeln, dabei fließen Wissen und Erfahrungen sowie die Umwelt ein, machen uns zu denen, die wir sind.
Wir treffen Entscheidungen, die unser Leben bestimmen!

 

Mein Mann, unsere Dackelnele und ich fahren zu einem Spaziergang hinaus. Ich habe einen nahen Ort am Wasser im Sinn!
Da sind wir alle gerne und ich möchte Kräuter sammeln.

Während der Fahrt kommt es zu einem Missverständnis zwischen uns Menschen. Aus dem Missverständnis wird gegenseitiges Unverständnis mutierend zum Streit! Nach dem Aussteigen ergibt ein Wort das andere!
Mein Mann wirft mir die Autoschlüssel vor die Füße, dreht sich um und stampft in Richtung zu Hause.
Ich setze mich an den Wegrand und habe Mühe, meine Gedanken zu ordnen!
Nebenbei nehme ich Nele wahr, wie sie vor mir sitzt, mich anbellt, sich dann umdreht und meinem Mann hinterher läuft. In der Ferne höre ich sie wieder bellen, für mich ein Zeichen, dass sie bei ihm angekommen ist.
Eine Weile hoffe ich, dass er wieder zurückkommen würde! Vergeblich!
Ein trotziger Rest in mir entscheidet, allein weiter zu gehen. Mehrfach sehe ich mich um, niemand folgt mir.
Am Wasser angekommen habe ich nicht wirklich einen Blick für Kräuter und für die Magie des Ortes, der mich sonst so fasziniert.

Plötzlich steht sie hinter mir, die kleine Nele!
Ganz außer Atem … schaut sie mich mit ihren großen Kulleraugen an.
Es dauert einen Moment, ehe ich begreife. Mein Gott, was sind wir nur für bescheuerte Menschen, warum bin ich nur so blöd, schießt es mir durch den Kopf.
Heulend nehme ich sie auf den Arm, ihr Herz pochert, pochert, pochert und ich entschuldige mich, entschuldige mich, entschuldige mich.
Sie drängelt, will herunter, bellt, läuft ein Stück und wartet, bis ich ihr folge.
Auf dem halben Rückweg treffen wir auf meinen sichtlich erleichterten Mann.
Sie könne doch nicht einfach so abhauen - schimpfen klingt bei ihm sonst ganz anders.
Schweigend folgen wir unserer kleinen Nele zum Auto. Erschöpft liegt sie während der Heimfahrt auf meinem Schoß … beim Streicheln treffen sich zwei Hände.

Wir möchten, dass unsere Hunde sich unserem Leben anpassen, dass sie funktionieren! Was nicht passend ist, wollen wir ihnen abgewöhnen, austreiben – oft um jeden Preis!

Hätten wir es nicht viel einfacher, wenn wir uns fragen würden, was einem Hund in seinem Leben wichtig ist, was ihn und uns verbindet, welche selbe Kraft uns treibt? Würde das vielleicht den Blick auf unser Leben frei machen, welches gar nicht so rosarot toll ist, wie wir es gerne glauben wollen, weil wir das Wesentliche einfach aus den Augen verlieren?

Wie unwesentlich kommt da ein dummer Streit daher, wenn ein Hund unter Aufbringung all seiner Kräfte dafür kämpft, dass seine Familie, sein sozialer Halt, wieder beisammen ist!

Wann haben WIR Menschen zuletzt so für unsere Familie gekämpft?

Wir reiben uns an Kleinigkeiten auf, hadern mit dem Gestern, träumen von einer besseren Zukunft und vergessen dabei, dass das Wir und das Jetzt alles sind, was wir wirklich brauchen!
Diese Lebensweisheit haben Hunde uns weit voraus und sie lehren uns genau das, Tag für Tag!

16.10.2018, Kathrin Richter