Wenn Tiere lieben

 
Erlebt, nachgedacht und aufgeschrieben -
für den Hund und seine Menschen!


 

Wenn Tiere lieben

Er ist immer da …
Ich sitze am Computer, recherchiere, schreibe – er liegt vor dem Bildschirm, oft zwischen den Papieren, auf Büchern sitzt es sich besonders gut. Von meinem Glas Wasser oder meinem Tee wird gekostet und der Keks wird geteilt. Das Kissen auf dem Schreibtisch ist auf Dauer doch bequemer, er schläft und macht süße Geräusche – ich bin verzückt.


Er ist kein Schmusekätzchen, was um die Beine streicht.
Wer sich aufdrängt hat ihn verloren.
Er ist da, sucht Nähe, ganz unauffällig auf seine leise liebevolle Weise.
Beim Fernsehen springt er plötzlich auf die Couch, sucht Körperkontakt, legt sich ganz dicht.
Putze ich mir die Zähne schnurrt er auf dem Waschbecken, untersucht, schmust.
Ich spreche mit ihm und er erzählt - Miau, Miau, Miau.

Vor Zehn Jahren brachte das Kind das kleine Fell-Knäuel nach Hause. Nie sollte es eine „Aschtonnenkatze“ sein, ein Blick aus bernsteinfarbenen Augen machte aus dem rostroten Fell ein Goldenes.
Die Dackel lehrten ihn das Bellen, er ist heute wachsamer als jeder unserer Hunde.
Zwischen Kind und Kater wächst ein starkes Band, innig und mächtig! Mächtiger als zu allen anderen!

Das Kind ist nun Erwachsen. Studium, kleine Bude - Katzen nicht erlaubt. Das Kinderzimmer ist hier das Reich des Katers. Da findet er Ruhe, schwelgt in Erinnerungen, führt mich durchs Zimmer, erzählt: Miau, Miau und ich spüre: Er wartet! Er wartet, dass Sie wiederkommt, seine große Liebe.
Häufig ist sie zu Besuch und die Augen leuchten von Mensch und Tier. Alles dreht sich umeinander, Sorge, Mitgefühl, Vertrauen. …
Nur zögerlich begreift sie seinen Schmerz, wenn sie wieder fort fährt: "Er hat es doch gut bei Euch!"

Die Lebensplanung nimmt eine Wende und schließt den Kater mit ein. Sie werden uns verlassen, beide.
Ich liege im Bett und lese ein Buch. Ein goldenes Schwänzchen streift über die Seiten. Große Kulleraugen blicken mich an und ich mache Platz.
Danke! miaut er, knetet und schnurrt, baut sich sein Bett in meinem. Er wiegt mich schnurrend in den Schlaf.
In der Nacht wache ich auf und ich stelle wehmütig fest - er ist fort …

Tiere fühlen nicht nur Schmerz, Verlust und Ängste!
Sie empfingen Liebe!
Sie sind dabei ehrlicher und aufrichtiger als manch ein Mensch. Wenn man liebt, dann gibt man ohne ständig zu fordern und zu erwarten - und dazu sind Tiere fähig.
Das ist vielen Menschen suspekt. Der Mensch ist derjenige, der heute Dankbarkeit von den Tieren erwartet - immer, überall, für alles - weil er Ihnen zu fressen gibt, weil er sie gerettet hat, weil er sich mit ihnen (mehr oder weniger) beschäftigt - weil er sie vermeintlich liebt!
Diese erwartete Dankbarkeit wird vom Tier eingefordert - es muss so funktionieren, wie der Mensch es möchte. Das hat mit gegenseitiger Liebe nichts zu tun.
Wer sich nicht auf das Gefühl der Liebe ohne Erwartungen einlassen kann und will, wer nicht vertrauen kann, wer kein Mitgefühl empfindet, der wird auch nie daran glauben können, dass Tiere lieben! Er wird dieses wunderbare Gefühl nie wirklich empfinden.

12.03.2017, Kathrin Richter