Bauchweh...

 
 Von einem Ort,
 an dem die Uhren anders ticken!




Bauchweh

Die Nacht ist zum Schlafen da, in unserer Familie für Mensch und Hund.

Gerade eben in meinem Traum geht’s auf und ab.
Nur langsam erschließt sich mir, dass das leichte gegen den Bauch treten nicht mehr zum Traum gehört.
Die Dackelnele tritt unruhig mit ihren Füßen, dreht sich und springt aus dem Bett. Im Halbschlaf halt ich ihr die Zudecke wieder hoch: „Komm Mäuschen!“. Oftmals springt sie aus dem Bett und dann wieder hinein, um sich eine neue Liegeposition zu verschaffen. Manchmal ist es aber auch anders, so wie heute. Sie sitzt vor der Tür und weint leise vor sich hin. „Einen Moment bitte“! Langsam werde ich richtig wach und stehe auf.

Ich weiß, wenn Nele sich um diese Zeit so meldet, dann ist etwas nicht in Ordnung. Also gehen wir beide raus. Es ist noch dunkel, ganz ganz früh am Morgen. Draußen im Garten läuft sie eine Weile auf und ab, pullert, knabbert an Grashalmen. Was hat sie gestern gefressen? War doch alles normal! Oder hat sie doch wieder ein verstecktes "Leckerstück" gefunden? Armes Mäuschen, es tut mir so leid!
Sie läuft weiter auf und ab. Nun will sie wieder rein. Mir ist auch schon ziemlich kalt. Wir legen uns auf die Couch, ich streichle ihren Bauch und spüre, wie der gluckert und ziemlich angespannt ist. Aua! Plötzlich springt sie wieder hoch und will hinaus. Sie läuft auf und ab. Nichts geht. Wieder rein. Ich entscheide mich nun doch für eine kleine Medizin in ein wenig Nassfutter, hoffentlich nimmt sie mir das auch ab! Sie frisst – feines Mäuschen!
Wieder auf die Couch - streicheln, streicheln! Der Bauch entspannt sich leicht - ich entspanne mich auch langsam! Wieder springt sie auf, raus und endlich kann sie ihr Häufchen machen!
Es wird schon hell – schwarz zu blau – ... ein Lied summt mir im Ohr. Ich koche Kaffee, bereite das Frühstück vor … Nele läuft mir hinterher. Ihren großen braunen Kulleraugen entgeht kein Schritt. Ich setzte mich, nehme sie auf den Schoß, sie schaut mich an und sagt “Danke!“ auf ihre kleine feine wunderbare Art. Ich drücke sie an mein Herz, mein Mäuschen! Später finde ich sie im Bett, ganz tief hat sie sich eingekuschelt und nur die Nasenspitze ist zu sehen. Pst, ganz leise verlasse ich das Zimmer!

Am Vormittag checke ich meine Facebook-Nachrichten. „Mein Hund ist ein richtiger Arschloch Hund …“ lese ich da und bin ziemlich entsetzt – über den Post und über die Antworten darauf! Da hat jemand (auch) einigen Wochenendschlaf eingebüßt, weil sein Hund offensichtlich Bauchweh hatte. Der Beschreibung nach: "winselnd und jammernd" sogar ziemlich heftig. Nur dieser jemand meinte, der Hund hätte wohl Langweile gehabt, ihn darum geweckt und um den Schlaf gebracht.
Manche Menschen hören, sehen geschweige spüren einfach nicht, dass ihr Hund ein gesundheitliches Problem hat. Stattdessen nehmen diese Menschen an, ihr Hund ärgere sie mit Absicht.
Menschen tun das untereinander, sie ärgern sich gegenseitig und das in voller Absicht.
Hunde sind nicht berechnend wie Menschen!
Die Nacht ist zum Schlafen da! Der Hund hat sich unseren menschlichen Gewohnheiten in der Familie voll angepasst! Der hier genannte Hund offenbar auch! Und dann hat er mal Schmerzen, hofft auf seine Menschen, auf Verständnis, Hilfe, Zuneigung - und die kapieren gar nichts! Empathie(Mitgefühl), Zuverlässigkeit, Geborgenheit, Fürsorge, all das. was ein Hund in einer Familie benötigt, wird hier völligst ignoriert und allein auf die Befindlichkeiten des Menschen reduziert!

…. Sorry, wer hier das Arschloch ist steht für mich außer Frage – der Hund ist es jedenfalls nicht.

 

06.03.2016, Kathrin Richter