Ein Eimer...

 
 Von einem Ort,
 an dem die Uhren anders ticken!


 

Einen Eimer voll ...

Da steht er: Ein Eimer voll schönster Sommeräpfel! Apfelmus aus Sommerscheiben ist einfach lecker! Dafür lohnt es sich, Zeit zu investieren. Also mache ich mich ans Äpfel schälen. Draußen ist es im Schatten auszuhalten. Ich setze mich zu Inka und Jari, die die kleine Terrasse vor der Tür besonders schätzen. Vorsorglich hatte ich ihnen schon Liegekissen hingelegt, auf kahlem Beton ist es für die älteren Damen zwar kühl aber nicht mehr ganz so bequem. Dort liegen sie jetzt schon eine Weile und dösen so vor sich hin.

Die beiden Dackel lieben die chillige Terrasse mit eigenem Kuschelplatz, etwas abseits von den "Großen". Sie dösen gerade mit Jari und Inka um die Wette.
Wir Menschen hatten bis eben hier und da zu tun. Watzek lief geschäftig im Garten rum - eine Hundeinspektion dauert so seine Zeit!

Doppelt sinnvolle Zeit
Als ich sitze und mich meiner "Schälarbeit" widme, kommt Watzek zu mir, inspiziert den Eimer, den Topf mit Wasser, schnüffelt am Messer rum. Ein letzter Schlecker in Richtung von meinem Gesicht - er dreht sich um und lümmelt sich zwischen Jari und Inka.

Ich schäle Äpfel und stelle fest, dass ich einen genialen Posten habe. Ich tu was fürs "leibliche Wohl" und kann nebenbei alle unsere Hunde beobachten - das ist doch mal eine doppelt sinnvolle Zeit!
Watzek lümmelt sich liegend lang und länger, drängelt sich in Richtung Inka, knabbert an ihren Beinen. Die steht genervt auf. Schnell nimmt er den Kopf hoch und guckt in die Runde. Dieser Mistkerl, erst scheucht er eine alte Dame hoch und tut dann noch so, als wäre nix geschehen!

Schweigend schäle ich meine Äpfel und schmunzele leise in mich hinein - es ist einfach wunderbar, da zuzusehen! Inka geht eine kleine Runde und kommt wieder zu uns. Ihre Liegematte ist nun zum Teil von Watzek belegt, dem geht sie lieber aus dem Weg. Tief durchatmend legt sie sich außerhalb seiner "Reichweite"! Es dauert eine Weile, sie kann schlecht eine geeignete Position für ihre Beine finden. Mal streckt sie sie lang, mal hockt sie sie an!
In der Nachbarschaft bellt plötzlich ein Hund. Watzek spingt auf, läuft ein Stück und horcht! Er sieht sich um - keiner macht mit! Die beiden Damen und auch die Dackel stören sich nicht daran! Soviel Energie vergeuden für einen Beller, nö! Watzek lauscht weiter, wartet, dreht sich um und kommt zurück. Er schnuppert an mir und meiner Arbeit und läßt sich wieder auf dem "geklauten" Platz fallen!

Ruhe kehrt ein

Jari versucht ihren Kopf am Blumentopf zu stützen und döst vor sich hin. Inka hat endlich ihre Liegeposition gefunden und Watzek nutzt Inkas Kissen als seichte Kopfablage. Die "Dackelei" liegt zu meinen Füßen und schläft schon eine Weile. Ruhe ist eingekehrt.
Die Hunde atmen gleichmäßig. Regelmäßig hebt und senkt sich der Brustkorb von Watzek, bei ihm kann ich es besonders gut sehen.
Der Eimer ist leer geschält. Leise lege ich das Messer aus der Hand und lehne mich zurück. Ich spüre eine wohlige Müdigkeit und schließe die Augen.

08.08.2014, Kathrin Richter