Glücksmoment...

 
 Von einem Ort,
 an dem die Uhren anders ticken!


Glücksmoment

Es ist schon später Nachmittag, trotzdem scheint die Sonne kräftig an diesem Wochentag im März. Es ist unerwartet warm! Raus, die Hunde Jari und Watzek geschnappt und los. Auf der Wiese angekommen verpasse ich meinen Hunden erst einmal eine Portion „Duft“ gegen die vielen Zecken. Irgendwie waren sie auch über den Winter nicht richtig weg. Wenig erfreut lassen sie die Prozedur über sich ergehen. Tut mir Leid, ihr Beiden, aber lieber diesen Moment hier stillhalten, als die ollen Blutsauger am Hals und wo wir sie dann noch wieder finden. Bei dem Gedanken fröstelst mich.
Die Gewissheit, dass dieses Mittelchen hilft, läßt meine Aufmerksamkeit schnell wieder in Richtung erwachende Natur wandern.
In einer Senke sehe ich zwei Gruppen Rehe grasen. Es ist Windstill! Sie bemerken uns nicht.
Watzek schüttelt sich einmal gekonnt von vorne bis zur letzten Schwanzspitze und rennt zu seiner ersten Schuppernachricht auf unserem Weg. Jari wälzt sich kurz im Gras. Stopp, wir laden die Zeckenplage doch nicht freiwillig ein!


Ich leine meine "Oberjägerin" Jari an die lange Leine, sicher ist sicher! Wir wandern los. Jari gesellt sich zu Watzi. Beide schnuppern an den vielen Botschaften so ruhig und intensiv wie lange nicht mehr - da haben sie allerhand zu tun!
Ich atme tief durch, was für ein schöner Moment! Jari schaut mich an, ich muss lächeln - sie lächelt zurück!
Watzi schnuppert weiter. Er schneidet dabei die verschiedensten Grimassen. Ich beobachte, wie er die einzelnen Nachrichten verarbeitet und einordnet - wie spannend!
In der Ferne bemerke ich ein größeres sich bewegendes Boot. Der Fluß Peene schlängelt sich hier durch die Landschaft. Das muss wohl ein Ausflugsdampfer sein. Um diese Jahreszeit hat man vom Wasser aus einen wunderbaren freien Blick auf die Felder und Wiesen.
Watzi hat das Boot auch entdeckt. Verwundert schaut er mich an und dann das Boot. Er fragt nach! Ich lache und erzähle von Leuten, die diese schöne Fahrt bestimmt genießen. Ok, verstanden!
Er schnüffelt weiter. Ich überlege, ob man uns wohl auch auf diesem Weg hier laufen sieht, trotz der weiten Wiesen zwischen dem Wasser und uns.
Je näher wir dem Wasser kommen ist es am Wegesrand an einigen Stellen umgewühlt. Hier sind um diese Jahreszeit Wildschweine aktiv, auch wenn wir noch nie welche getroffen haben!
Durch das kleine Uferwäldchen gehe ich mit beiden Hunden angeleint. Wir wollen niemanden stören, nicht nur, weil es für uns unangenehm werden könnte! Die Nasen der Hunde wittern rechts und links, mal intensiver in eine Schneise, mal intensiver in den anderen Pfad. Ich schüttele den Kopf. Nein, nein, wir lassen die in Ruhe, die da wohnen!
Am Wasser angekommen leine ich Beide ab. In meiner Nähe inspizieren die Hunde das Ufer. Das Wasser ist so still, die Ufersilhouette der anderen Seite spiegelt sich - wie faszinierend Wasser nur sein kann!
Den Hunden ist das Spiegelbild egal, sie laufen ins Wasser, trinken und dann wird weiter geschnüffelt. Watzek beendet als Erster seine Schnüffelei.
Er steckt seine Nase in ein Mauseloch am Ufer, beugt seinen Körper zurück, streckt sein Hinterteil in die Höhe und hoppt anschließend zur Seite! Ich lache laut - Du Spinner, es sieht einfach zu lustig aus! Das alte Mädchen Jari mag nicht mehr so viel rumtoben, das weiß ich und so gehe ich auf seine Aufforderung ein. Wir laufen am Ufer auf und ab und fangen uns gegenseitig. Dieses Spiel findet Jari nun doch interessant und steigt mit ein! Vielleicht hat sie auch gemerkt, wie sehr ich nach einer Minute schon außer Atem bin! Ich bleibe stehen und die beiden Hunde toben um mich rum. Es geht nicht mehr ganz so rasant zu – man kann auch gemächlich miteinander spielen!
Pause, rein ins Wasser und trinken. Watzi will sich hineinlegen, er liebt das so sehr! Ich schimpfe, he Bursche, es ist noch viel zu kalt. Abrupt bricht er sein Vorhaben ab und kommt aus dem Wasser.
Ich setze mich auf einen umgefallenen Baum. Die Sonne steht schon tief. Sie spielt mit den Bäumen Licht und Schatten, die Vögel zwitschern. Was für ein hinreißender Moment! Meine beiden Hunde haben sich ins Gras gelegt. Sie genießen wie ich den Augenblick.
Auf dem Rückweg zum Auto hoppst Familie Hase einen kleinen Hügel hinauf. Watzek bleibt stehen um ihnen nachzuschauen. Die Vögel kündigen unseren Rückweg an! In der Ferne höre ich noch andere Warnrufe. Auf der Wiese steht ein Reh und beobachtet uns. Das Warnen kommt aus der Richtung. Meine Hunde sind angeleint und wir gehen respektvoll den Weg entlang.
Die Natur ist erwacht und wir sind mittendrin! Wir haben Teil an diesem einzigartigen Glücksmoment!

17.03.2016, Kathrin Richter