Nur eine...

 
 Von einem Ort,
 an dem die Uhren anders ticken!




Nur eine Wiese ...

Unsere "Wiese" ist gleich hinter unserem Haus. Eigentlich ist es eine eingezäunte Schafsweide, ich konnte meinen Mann davon überzeugen, dass für die Schafe auf der Nebenwiese genug Platz ist. So ist es jetzt "unsere Wiese"! Alle Monate dürfen die Schafe die Wiese abweiden, sehr zur Freude der Hunde, die danach gar nicht genug von den Schafshinterlassenschaften in Form leckerer brauner Kügelchen finden können. Das ist übrigens eine von Inkas Lieblingsbeschäftigungen: Auf der Wiese nach dem allerletzten Schafsköddel zu suchen- und ihre Suche wird fast jeden Tag mit einem Fund belohnt!

Sicherheit verschafft Zeit!
Der Umstand, dass ein Zaun um die Wiese drum herum ist, verschafft den Schafen nebenan, den frechen Katzen, den vorbeifahrenden Kindern, der ängstlichen Nachbarin, den neugierigen Hühnern und vor allem uns Ruhe und Sicherheit!
Die Wiese sollte die "wenig-Zeit-Beschäftigungsvariante" sein, wenn wir von der Arbeit heim kommen und wir für einen längeren Spaziergang mit den Hunden keine Zeit und Lust mehr haben.
Zeit ist relativ, das erlebe ich immer wieder und die eigentliche "wenig-Zeit-Beschäftigungsvariante" hat sich zu einer "intensiven-Zeit-Variante" entwickelt.

Zeit ist relativ!
Oft sitze ich auf unserer Wiese auf einem der schwarzen Reifen, die mal von mir zu Übungszwecken ausgelegt wurden.
Wir sind gerade angekommen und ich will den Hunden erst einmal beim Spielen zusehen.
Zusehen ist nicht gleich zusehen! Manchmal bin ich in Gedanken noch woanders unterwegs.
Dann geht jeder der Hunde so seinen Weg. Pullern, schnuppern, pullern, weiter vor sich hin und daran schnuppern, was der andere gerade so gemacht hat. Dann legen sich Jari und Watzek hin, abwartend, ab und an zu mir rüberschulend. Inka schnuppert weiter ihre Runden, immer kleinere um mich herum.
Sie streift mich! Das ist mein "Wachmacher"!
Einen Bogen laufend kommt sie mit offenem Blick frontal auf mich zu.
Ihre leuchtenden Augen fragen "Bist Du da?" Ein wohliges Gefühl macht sich in mir breit, die anderen Gedanken sind weg - zumindest für die Zeit auf der Wiese!
Lachend entschuldige ich mich bei meinen Hunden, dass ich so abwesend war!
Jari, die in meiner nächsten Nähe liegt, kommt zu mir und steckt mit einem Seufzer ihren Kopf unter meinen Arm! Ihre Seufzer werden mehr, ich drücke sie und sag ihr, dass ich sie lieb habe. Sie entspannt sich.
Das ist das Zeichen für Watzek, jetzt kann er alle zum Spiel bitten - und er verbeugt sich...!

Gemeinsames Spiel ist wertvolle Zeit!
Watzek und Jari rennen auf der Wiese um die Wette! Jari ist ein Sprinter, auch noch mit 11 Jahren hat sie in drei vier Sätzen den Jungspund Watzek eingeholt. Der wiederum ist ein Hakenschlager, als ob er in seinem vorherigen Leben ein Hase war, und seine Technik wird immer besser! Trotzdem hat Jari ihn immer recht schnell eingeholt und so geht es hin und her.
Inka kommt zu mir und holt sich die nächste Streicheleinheit. Sie rückt dicht an mich ran, setzt sich auf meine Füße, läßt sich auf den Rücken fallen und rollt sich. Knuddeln, hin- und herdrängeln, streicheln, eine kleine Massage von mir - das ist jetzt unser beider Spiel. Jari und Watzek verlegen ihr Fangespiel dichter, Jari "stellt" Watzek dicht vor uns, er läßt sich von ihr bereitwillig auf den Rücken "schmeißen", sie rangeln sich beide in Richtung Inka und mir. Ich schiebe mich zwischen die Rangelnden und Inka, damit sie Zeit hat, ihre alten müden Knochen zu erheben. So viel Rangelei auf der Erde mag sie nicht. Als sie aufsteht machen auch die anderen eine Pause. Nacheinander kommen sie zu mir und holen sich Streicheleinheiten ... und Jari und Watzek legen sich hin - Inka bleibt bei mir, leises Streicheln, geht wieder schnuppern, kommt gleich wieder - zufrieden!
Es sind 10 Minuten vorbei!

Nach einer kurzen Ruhepause bemerke ich einen kurzen Blickwechsel zwischen Jari und Watzek. Jari steht auf und geht einen kleinen Bogen Richtung Watzek. Sie wirft sich auf den Boden und wälzt sich, steht auf schüttelt sich. Sie schnüffelt in Richtung Watzek. Ich lache in mich hinein, welche Spielchen Jari so macht, um ihren Kumpel wieder auf die Beine zu kriegen. Vielleicht schreibe ich es bei Gelegenheit mal ausführlicher auf. Upps, jetzt habe ich wieder nicht mitbekommen, wie schnell er hochspringt, seine Verbeugung macht und losrennt.
Inka ist bei mir, wir sehen den beiden bei ihren Rennereien zu und freuen uns darüber. Heute hat sie keine Lust, mal mitzumischen. Den müden Rücken von mir durchkneten lassen tut ihr gut!
Wenn es ihr gut geht, dann stellt sie sich ab und zu auf Lauer und wenn Jari wie durch Zufall genau bei ihr den Burschen eingeholt hat, attackiert sie abwechselnd mit Jari den am Boden liegenden Watzek. Das spielt sich meistens in meiner Nähe ab und zwischendurch streifen die Hunde mich und ich werde, wie so oft, in die Spielewelt der Hunde mitgenommen.

Das Aufflammen der Spiellust ist bald wieder vorbei. Jeder sucht einen bequemen Platz, Inka bevorzugt wieder meine Füße zum Draufsetzen. Ihr Blick geht häufig Richtung Ausgang.
Meine anderen Gedanken sind wiedergekehrt - die Arbeit, der Haushalt, der Garten ... ganz unbewusst!

Zeit sich kennen zu lernen!
Ich atme tief durch! Danke Ihr Lieben für diese wunderbare halbe Stunde!
Danke an meine unscheinbare Wächterin ...!

25.07.2014, Kathrin Richter