Ein Tag...

 
 Von einem Ort,
 an dem die Uhren anders ticken!




Ein Tag wie dieser ...

Dieser Arbeitstag hatte es in sich. Ich bin ziemlich k.o. und fühl mich irgendwie schlapp. Den müden Knochen heute noch ein wenig Bewegung verschaffen, dass kann nur gut sein. Meine spontane Bekundung, mit den Hunden noch hinaus ins Grüne zu fahren, stößt bei meinem Mann auf wenig Gegenliebe. Er sieht es nicht gerne, wenn ich abends allein in der "Wallachei" unterwegs bin. Ich lade Watzek und Jari trotzdem ins Auto und düse los. Dicke Wolken verdecken den schönen blauen Himmel und drücken meine Stimmung noch etwas runter.
"Da kann nur unser Lieblingsort am Wasser helfen!", denke ich und schlage die Richtung ein. Ich stelle das Auto ab, lasse die beiden Hunde aussteigen

Schwindeln ist nicht ...
Ich registrier: Die Wiese zeigt sich grün und bunt wie immer und kein Reh in Sicht! Schweigend setzte ich mich in Bewegung. Die Hunde machen ihr Geschäft und kommen wieder in meine Nähe.
Der höchstens 5 Meter Abstand von Jari vor mir fällt mir langsam auf. Watzek läuft ein Stück vor, bleibt stehen und sieht erst mich und dann Jari an und läuft ein Stück weiter und bleibt wieder stehen. Jari beobachtet mich. Ich treffe ihren besorgten Blick.
Klick macht´s bei mir! Betreten schlucke ich und setzte mich in die Hucke. Die Hunde sind schnell bei mir, suchen Körperkontakt. "Alles ist gut!", erzähl ich ihnen mit einem Anflug eines Lächeln-Wollens, "ihr könnt laufen, es geht mir gut!"
Meine Worte sind angekommen! Jaris Maximalabstand hat sich auf 3 Meter verringert.
Als wir in das kleine Wäldchen einbiegen, in dem unser Lieblingsort versteckt liegt, lassen sie sich beide ohne Worte anleinen. Sie bleiben trotz langer Leine in meiner Nähe. Entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten, schnell ans nahe Wasser gelangen zu wollen, haben sie heute auf dem Weg dorthin viel zu schnuppern. Sie warten auf mich.

Das was man sucht ...
"Der Weg wuchert immer mehr zu!" denke ich. Ich sehe rechts und links die abgestorbenen kahlen Bäume, habe sie selten so intensiv wahr genommen.
Wir gelangen ans Wasser. Heute sind wir allein. Ich löse die Hunde von den Leinen. Jari läuft ins Wasser, trinkt, Watzek legt sich hinein. Das Wasser des Flusses ist zurückgegangen. In der Feuerstelle haben Leute eine Baby-Windel zurückgelassen. An der Seite liegt ein Alu-Einmalgrill, ein kleiner Ast verhindert, dass der Wind den Müll weiterträgt ...
Meine ursprüngliche Überlegung, baden zu gehen, erledigt sich, als ich mit den Beinen im Wasser bin. Ich laufe im flachen Wasser auf und ab. Nur ganz langsam spüre ich, dass das Wasser gar nicht so kalt ist wie es sich gerade noch angefühlt hat. Jari bleibt in meiner Nähe. Watzek schnüffelt in den Büschen rum und findet einen Fischrest. Demonstrativ legt er ihn vor uns ins Gras und setzt an, sich darin zu wälzen. Ich schimpfe und er läßt davon ab. Natürlich nicht ohne einen spielerischen Hopser zur Seite. Dieser Hund kann aus allem ein Spiel machen! Nachdem ich kurz auf die Spielaufforderung eingehe, läßt auch Jari sich zu einem Spiel überreden. Ihr Rennspiel geht am Strand hin und her, wo ich immer noch im Wasser auf und ab laufe. Schnell sind sie bei mir. Das Wasser ist "Haus" - das hatte ich früher schon mal festgestellt, wenn einer ins Wasser läuft, ist Pause! Coole Abmachung!

Fühlen zulassen ...
Meine Stimmung will sich nicht so wirklich bessern, also bitte ich meine Hunde um Verständnis, als wir unseren Lieblingsort wieder verlassen. Kein bedauerndes Schnuppern wie sonst oder ein kleiner Rückrenner zum Wasser. Beide trotten auf dem Rückweg vor mir her - oder trotte ich hinter ihnen her?
Sehe ich da in einer Wolkenlücke die Sonne? Nur kurz zeigt sie sich um dann hinter dicken schwarzen Wolken für heute ganz zu verschwinden. In der Ferne wird es kurz hell und darauf ertönt ein Donnern.
Am Auto angekommen drücke ich meine Hunde und bedanke mich für das Verständnis.
"Ich hab Euch lieb!". Es tut gut, diese Worte zu sagen.
Sicher hatte ich schon bessere Tage! An Intensität und Verbundenheit meinen Hunden gegenüber steht dieser Tag den anderen jedoch in keinster Weise nach!
Mein Mann brauchte sich nicht so viel Gedanken über mich allein in der "Wallachei" zu machen - ich fühle mich gut behütet! ... obwohl, bei Gewitter bin ich dann doch lieber wieder daheim!

14.08.2014, Kathrin Richter