Wachsen...

 
 Von einem Ort,
 an dem die Uhren anders ticken!


Miteinander wachsen

Der Sommer will nicht so recht in die Gänge kommen. Während die Menschen sich fröstelnd eine Jacke überziehen sind die Hunde mit den gemäßigten Temperaturen sehr zufrieden. Noch können sie sich nicht so recht entscheiden: ein wenig Winterfell anlassen oder doch lieber alles auf einmal ausziehen und nur das Sommerkleid behalten.


Meine Schäferhündin Inka ist das „Schaf“ in unserer Familie. So manchen wärmenden Pullover hätte man über die 13 Jahre mit ihrer gesponnenen „Unterwolle“ schon Stricken können. Stückweise zuppel ich ihr heute die losen Haare aus dem Fell. Ich habe schon die Hand voll mit „Zuppelwolle“. Nun hat sie keine Lust mehr auf diese Zuppelei und geht ihrer Schnupperwege.
Wir beginnen unsere Wiesenrunden zu laufen, eine gute gleichmäßige Bewegung für die müden und defekten Knochen der Hunde. Runde um Runde begleiten sie mich, mal schneller, mal langsamer ... Ich warte auf Inka, so schnell wie die ein Jahr jüngere Jari bewegt sie sich lange nicht. Watzek ist wieder einmal vor gelaufen.
Bei unserer Lauferei habe ich Zeit, die Hunde zu beobachten. Jede kleine Veränderung und jeden Stolperer nehme ich wahr – sie pieken sich in mein Herz hinein!
Wir haben 5 Runden geschafft und Inka beginnt „abzukürzen“! Für mich ist das ein Zeichen, mit der Rundenrennerei aufzuhören! Ich setzte mich auf meinem Reifen. Inka kommt zu mir, macht einen halben Kopfstand um dann ganz elegant auf dem Rücken zu landen und sich vor meinen Füßen hin und her zu rollen.
Ich lache schallend – es sieht einfach zu putzig aus. Schelmisch sieht sie mich an! Wir verstehen einander! Watzek kommt zu uns, schnuppert an Inka, rempelt die in der Nähe schnuppernde Jari an und fordert uns zu einem Spiel auf! Ein kurzes Wettrennen von Jari und Watzek folgt, einige kleine Haken werden geschlagen. Inka hat sich erhoben. Sie steht und wartet, bis die Beiden an ihr vorüberlaufen! Sie nutzt die Gelegenheit, Watzek an den Hals zu schnappen und macht dabei ihre „bösen“ Raufgeräusche. Watzek liegt am Boden und wird von Inka und Jari „angegriffen“.
Ich freue mich, dass es meinen Hunden heute so gut geht.

Es ist nur ein kurzes Spiel.
Watzek springt plötzlich auf und drängt sich dicht an mich!
„Pause“ rufe ich und spüre einen Pieks in meinem Herzen! Inka ist so in „Kampfeslust“, dass sie noch mal auf Watzek zustürzt. Ich wehre Inka ab und bestehe auf die Pause!

Kopf an Kopf tröste ich ihn, meinen Burschen Watzi. Es fällt ihm noch schwer, sein jugendliches Temperament seinem kranken Rücken anzupassen. Jari hilft ihm sehr dabei! Sie erkennt sein Befinden und stellt sich darauf ein. Es gibt Tage ohne Spiel und Toberei!
Oft darf ich beobachten und selbst erfahren!

Dieses emphatischen Feingefühl der Hunde untereinander und uns Menschen gegenüber fasziniert und beeindruckt mich! In diesem Moment wird mir klar, dass meine Hunde mich an ihrer Welt teilhaben lassen, weil ich sehe, mitfühle und liebe! Sie spüren meine Empathie! Genau das ist es, was unsere Verbindung so innig macht!

Jetzt liegen sie alle drei entspannt hechelnd in meiner Nähe! Ihre Ohren spielen, folgen den Geräuschen des "Hier und Jetzt"!
´Wäre ich taub, dann wären sie auch meine Ohren!´, geht es mir durch den Kopf!
Meine Hunde sind zufrieden … und ich fühle mich wie ein Stück gewachsen!

30.05.2015, Kathrin Richter