... ist das Ziel

 
 Von einem Ort,
 an dem die Uhren anders ticken!

 

 

 

Der Weg ist das Ziel

Es ist abends so schön lange hell! Ich nehme mir einfach die Zeit mit meinen beiden Schäferhunden Jari und Watzek nach der Arbeit hinauszufahren.
Jaris Frage, ob sie mitkommen darf, beantworte ich heute mit einem lachenden "Ja!".
Da musste sie einige Wochen drauf warten!
Endlich haben die Medikamente gegen die Arthrosebeschwerden in ihrer Schulter angeschlagen und sie kann wieder schmerzfrei laufen! Sie hopst um mich rum,
Komm, zieh mir das Geschirr an, lass uns losfahren!
Mein Mädchen, meine Maus, schön, dass wir wieder gemeinsam eine Runde drehen können!
Watzi läuft ungeduldig auf und ab. Nun mach schon das Auto auf!

Auf dem Landweg angekommen, lasse ich die Hunde aussteigen. Jari nehme ich gleich an die lange Leine. Sie hört fasst nichts mehr, umso mehr sind ihre anderen "Jagdsinne" geschärft.
Watzi schnuppert in unserer Nähe und wir nehmen uns ausgiebig Zeit zum (Hunde- und Wild-) Nachrichten lesen. Nebenbei beobachte ich meine Jari, sie läuft flüssig, keine Anzeichen von Schmerzen zu sehen.
Ein Ast liegt flach über dem Weg. Es ist genügend Platz zum ausweichen! Jari springt drüber und schaut mich schelmisch an! Ich lache laut! Ja, ich glaube Dir, dass Du wieder fit bist!
Die Wiese zu unserer Rechten ist heute leer. Die Mutterkuhherde ist wohl auf eine andere Weide umgezogen. Aus Rücksicht gehen wir hier sonst nicht entlang. Nun nehmen wir den direkten Weg an der leeren Weide vorbei, da gibt es viel zu schnuppern!
Es ist still, nur die Vögel singen ihr Sommerlied, einfach wunderbar!
Weiter geht es auf unserem Weg! Wir streifen ein Wäldchen, hier haben wir öfter schon mal ein Reh getroffen Vorsorglich leine ich jetzt auch Watzek an!
Jari hält ihre Nase in den Wind. Kleine Trampelpfade laufen in den Wald hinein. Eine Leinenlänge folgt sie einem Pfad, bevor noch die Leine zu Ende ist kehrt sie allein um. Watzi zeigt kein Interesse am Wald. Er hat am Weg ein Loch entdeckt und untersucht das ausgiebig.
Sonst riecht es doch nach Mäusen in solchen Löchern, komisch! Er guckt mich fragend an! Gemeinsam schauen wir noch einmal nach, sieht tatsächlich leer aus! Sichtlich enttäuscht kratzt er noch einmal die Erde an!
Sind wohl ausgezogen! Ich zucke mit den Schultern! Lasst uns weitergehen!
Ein Stück weiter hält Watzi seine Nase in den Wind und in seinem Minenspiel nehme ich Bewegung wahr! Er wittert den nahen Bach! Er erkennt die Stelle, sonst kommen wir von der anderen Seite hier entlang.
Wir überqueren die Wiese vor dem Bach und ich löse ihn von der Leine. Schwupps ist er ins Bachbett geklettert, legt sich ins Wasser und trinkt ausgiebig!
Jari mag nicht ins Wasser. Sie bleibt lieber auf der schönen grünen Wiese und frisst Gras! Halm für Halm rupft sie ab und mahlt die genüsslich mit geschlossenem Maul. Watzek klettert aus dem Bach, schüttelt sich bis zur allerletzten Schwanzspitze das Wasser aus dem Fell und beobachtet Jari. Er beginnt auch, Gras zu rupfen. Der Wind bewegt die Spitzen der Halme. Er versucht, genau diese Spitzen einzufangen. Jetzt gelingt es ihm und er kaut einen Halm mit "langen" Zähnen! Einige Male wiederholt er diese Prozedur!
Dabei beobachtet er immer wieder Jari und fragt: Was schmeckt Dir daran nur so gut?!
Was für ein Schauspiel! Ich kann mir das Lachen nicht mehr verkneifen! Schnell kommt Watzi zu mir gelaufen, Ach Watzi, Du Schlingel! Eng schmiegt er sich an mich! Ich drücke den großen Hund! Er wundert und entdeckt die Welt immer wieder aufs neue! Höre niemals damit auf!, flüstere ich ihm zärtlich ins Ohr.
Wir laufen über die Wiese! Ich stupps ihn an, Du bist! und lass mich dann von ihm fangen!
Jari s Verlangen nach schmackhaftem verdauungsförderndem Gras ist gestillt! Ich nehme ihre Leine und wir gehen langsam weiter!
Links von uns erhebt sich jetzt das eigentliche Ziel unserer Runde! Ein Hügel, von dem aus wir weit in die Umgebung schauen können.
Schnell sind wir oben und ich setzte mich ins Gras. Watzi legt sich hinter mich. Da hat er alle(s) im Blick! Jari wälzt sich im Gras! Ich kraule ihren Bauch! Langsam kommen wir alle zur Ruhe!
Tief durchatmen, in die Runde schauen, den Anblick genießen und die Gedanken schweifen lassen! Die Stille entdecken!
Nach einigen Minuten schalte ich mich zurück, Gedanken an den Heimweg melden sich. ....... bevor ich was sage und mich erhebe stehen beide Hunde neben mir! Ganz zart streichle ich über ihr Fell. Watzek schleckt und Jari schiebt ihren Kopf unter meinen Arm! Ja, laßt uns gehen ..!

Gerade lese ich auf Facebook etwas über Kommandos bei einem Spaziergang. Ich überlege, wie viele Kommandos ich auf meinem diesem Spaziergang verwendet/gebrüllt/befohlen habe.
Nicht ein einziges, wozu auch?
Um den Hunden zu sagen, wo es lang geht? Wir entscheiden gemeinsam unseren Weg!
Um ihnen zu sagen, sie sollen nicht so weit vorlaufen, dann rufe ich genau das: "Lauft nicht soweit vor bitte!"
Wenn ich Watzek anleine, dann mache ich das, wenn er sowieso bei mir ist, zeige ihm die Leine und er weiß Bescheid.
Droht tatsächlich mal Gefahr und er ist etwas weiter weg, was relativ selten vorkommt, dann rufe ich ihn mit Namen, dafür habe ich dann einen Grund.
Belohnung dieser Aktionen mit Leckerli? Eindeutig nein! Der gerufene Hund kommt zu mir, weil er durch mein Rufen die Gefahr spürt und er sich bei mir sicher fühlt! Er vertraut mir!
Den Namen - mehr brauchen wir auf einem Spaziergang und auch sonst nicht!
Denn - jedes Rufen soll für meinen Hund einen Sinn ergeben!

Der Sinn von Kommandos dagegen erschließt sich weder mir noch meinen Hunden!

21.06.2016, Kathrin Richter